Gaspreise explodieren: Iran-Krieg trifft Europa mitten ins Portemonnaie

Gaspreise explodieren: Iran-Krieg trifft Europa mitten ins Portemonnaie

Der Krieg im Nahen Osten hat die europäischen Energiemärkte in dieser Woche in den Ausnahmezustand versetzt. Seit Montag klettert der Gaspreis in einem Tempo, das selbst erfahrene Marktbeobachter aufhorchen lässt.

Katar stoppt die Produktion – und der Preis dreht durch

Der Auslöser ist konkret: Das staatliche Energieunternehmen QatarEnergy hat die Produktion von verflüssigtem Erdgas (LNG) gestoppt, nachdem iranische Drohnenangriffe Produktionsanlagen in Ras Laffan Industrial City und Mesaieed Industrial City beschädigt hatten. Business Insider Die Reaktion der Märkte folgte prompt. An der Terminbörse in Amsterdam stieg der richtungweisende TTF-Kontrakt zur Lieferung in einem Monat auf 59,44 Euro je Megawattstunde – rund 30 Prozent mehr als am Vortag. oe24 Seit Wochenbeginn hat sich europäisches Erdgas damit um mehr als 80 Prozent verteuert und den höchsten Stand seit Februar 2023 erreicht.

Das Nadelöhr: Die Straße von Hormuz

Hinter dem Preisschock steckt mehr als ein einzelner Angriff. Die Straße von Hormuz, eine enge Seepassage, die weitgehend unter iranischer Kontrolle steht, gehört zu den wichtigsten Engpässen für den Transport von Öl und Flüssigerdgas weltweit. Yahoo! Laut dem Energieanalysten Maurizio Carulli vom Vermögensverwalter Quilter Cheviot, zitiert von Euronews, passieren rund 20 Prozent der weltweiten Ölversorgung und 38 Prozent des Seehandels mit Rohöl diese Meerenge. Yahoo! Der Iran hat den Schiffsverkehr dort nach den US-israelischen Angriffen massiv eingeschränkt. Mehr als die Hälfte der großen Schiffsversicherer will inzwischen keine Kriegsrisiken mehr für Fahrten im Persischen Golf absichern – ohne Versicherungsschutz bleiben viele Transporte aus. NEOPresse

Asien kauft Europa leer

Ein weiterer Preistreiber kommt aus Fernost. Wie Euronews berichtet, suchen asiatische Abnehmer fieberhaft nach Ersatz für ausgefallene Lieferungen aus Katar – was den Wettbewerb um verfügbares LNG weltweit verschärft und auch die europäischen Preise weiter nach oben drückt. Euronews Europa ist zwar nicht der größte Katar-Abnehmer, aber das Emirat deckt zwischen zwölf und vierzehn Prozent der europäischen Flüssigerdgasimporte Euronews – ein Anteil, der seit dem Ende der russischen Pipelinegaslieferungen stark an Bedeutung gewonnen hat.

Gasspeicher auf gefährlich niedrigem Niveau

Die Ausgangslage macht die Situation noch heikler. Die Gasspeicher der EU sind derzeit zu weniger als 30 Prozent gefüllt – vor einem Jahr lag der Wert zur gleichen Zeit noch bei rund 40 Prozent. Wirtschafts-nachrichten Goldman Sachs warnt laut Invezz, dass eine Unterbrechung des Transits durch die Straße von Hormuz von mehr als zwei Monaten die europäischen Gaspreise über 100 Euro je Megawattstunde treiben könnte. Invezz

Wie weit geht es noch?

Zum Vergleich: Beim Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor vier Jahren waren die Notierungen in Amsterdam zeitweise auf über 300 Euro je Megawattstunde gestiegen. oe24 Noch ist man weit von solchen Extremwerten entfernt – aber wie weit es diesmal geht, hängt laut Experten allein von einer Frage ab: wie lange der Krieg im Nahen Osten dauert.


Quellen: oe24.at, Euronews, Business Insider, Finanzmarktwelt, Goldman Sachs (via Invezz), Quilter Cheviot (via Euronews), wirtschafts-nachrichten.at
Credits: APA

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