Ganztagsschule: Nur jeder Achte in echter Ganztagesform – riesige Bundesländer-Unterschiede

Ganztagsschule: Nur jeder Achte in echter Ganztagesform – riesige Bundesländer-Unterschiede

Ein Drittel der österreichischen Schüler besucht eine Schule mit ganztägigem Angebot – klingt nach Fortschritt. Doch der Blick hinter die Zahlen zeigt: Nur ein Bruchteil davon ist in einer echten Ganztagsschule, die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind enorm, und der Ausbau kommt nur im Schneckentempo voran.

33,7 Prozent – aber nur 8,1 in echter Ganztagesform

Wie aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der Grünen durch Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) hervorgeht, besuchten im laufenden Schuljahr 2025/26 insgesamt 33,7 Prozent der Schüler an Pflichtschulen und AHS-Unterstufen einen Standort mit ganztägigem Angebot. Doch nur 8,1 Prozent davon waren an einer sogenannten verschränkten Ganztagsschule angemeldet – also jener Form, bei der sich Unterricht, Lern- und Freizeit nach dem international üblichen Modell abwechseln. Die restlichen Schüler nutzen schlicht ein Betreuungsangebot nach dem regulären Unterricht, also eine Tagesbetreuung oder einen schulischen Hort.

Die Zahlen nach Schultyp zeigen laut BMBWF-Daten deutliche Unterschiede: An der AHS-Unterstufe liegt der Anteil mit Ganztagsangebot bei 45,1 Prozent, an Volksschulen bei 39,4 Prozent, an Sonderschulen bei 34,1 Prozent – und an Mittelschulen mit nur 19,5 Prozent am niedrigsten.

Wien vorne, Tirol abgehängt

Wie aus der Anfragebeantwortung des Bildungsministeriums weiter hervorgeht, sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern dramatisch. Wien führt mit 56,6 Prozent der Pflichtschüler in schulischer Ganztagsbetreuung, Vorarlberg folgt mit 49,7 Prozent. Am anderen Ende der Skala: Tirol mit lediglich 18,8 Prozent und Oberösterreich mit 21,7 Prozent. Salzburg (29,2), Kärnten (28,8), Steiermark (27,5) und Niederösterreich (26,9) liegen unter dem Österreich-Schnitt, das Burgenland mit 38,9 Prozent darüber.

Große Sprünge sind laut den Länderprognosen bis zum Schuljahr 2028/29 nicht zu erwarten. Wien rechnet mit einem Plus von 3,7 Prozentpunkten, Tirol immerhin mit 3 – in der Steiermark werden hingegen nur 0,2 Prozentpunkte Zuwachs erwartet.

15 Jahre Ausbau – mit mäßigem Ergebnis

Wie oe24.at unter Berufung auf die Ministeriumsdaten berichtet, versucht der Bund seit nunmehr 15 Jahren über Fördergelder den Ausbau ganztägiger Angebote voranzutreiben – mit überschaubarem Erfolg. Im Schuljahr 2010/11 nutzte erst ein Zehntel der Pflichtschüler ein ganztägiges Angebot, im Jahr 2020/21 waren es bereits 26,2 Prozent. Seitdem geht es langsam weiter: Im vergangenen Schuljahr lag die Quote bei 32,4 Prozent, inklusive Hortbetreuung bei 47,5 Prozent. Die Fördergelder wurden dabei laut Ministeriumsantwort nur zum Teil abgerufen.

Seit 2020/21 sind laut Parlamentsanfragebeantwortung österreichweit 309 Standorte mit Tagesbetreuungsangebot dazugekommen – davon 289 an Volksschulen. Insgesamt bieten aktuell knapp 3.100 Schulstandorte eine ganztägige Betreuung an, das entspricht 62,3 Prozent aller Schulen für Sechs- bis 15-Jährige.

Echte Ganztagsschulen: Minderheitenprogramm mit Rückschritten

Besonders nüchtern fällt die Bilanz bei den verschränkten Ganztagsschulen aus. Wie aus der Parlamentsanfragebeantwortung hervorgeht, sind in den vergangenen Jahren österreichweit gerade einmal 37 solcher Standorte dazugekommen – wobei auch Schulen mitgezählt werden, in denen nur einzelne Klassen verschränkt geführt werden. Von den aktuell 252 echten Ganztagsschulen befinden sich 134 in Wien. Noch deutlicher: In Vorarlberg, Oberösterreich, Tirol und Salzburg wurde das Angebot beim international üblichen Ganztagsschulmodell in den vergangenen Jahren sogar zurückgefahren.

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