Eine brandneue Gallup-Umfrage liefert die Antwort auf eine politisch heiß diskutierte Frage: Was denken die Österreicher wirklich über ihre Neutralität? Das Ergebnis ist eindeutig – und widerspricht den wiederholten Behauptungen von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS).
Die Zahlen: 88 Prozent für Neutralität – nur 8 für Abschaffung
Wie oe24.at unter Berufung auf das aktuelle Gallup-Stimmungsbarometer berichtet, sehen 88 Prozent der Österreicher die Neutralität als Teil der nationalen Identität. Die Erhebung ist repräsentativ – 1.000 Personen ab 16 Jahren wurden zwischen dem 21. und 30. April 2026 befragt. 54 Prozent wollen die Neutralität unverändert beibehalten. 30 Prozent sprechen sich für eine Neudefinition aus – also eine Anpassung des Konzepts, nicht eine Aufgabe. Nur acht Prozent sind für die vollständige Abschaffung.
Das Bild ist klar: Eine strukturelle Mehrheit der Bevölkerung hält an der Neutralität fest. Wer sie grundlegend infrage stellt, bewegt sich außerhalb des gesellschaftlichen Mainstreams.
Meinl-Reisinger und die Mehrheit, die nicht existiert
Damit bekommt eine politische Behauptung einen direkten Faktencheck. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger hatte in den vergangenen Wochen gleich mehrfach öffentlich behauptet, eine „Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher“ sehe ihre Position zur Neutralität – nämlich europäische Verteidigungssolidarität statt militärischer Blockfreiheit – „genau so.“ In einem Facebook-Video, das laut Plattformangaben 35.000 Aufrufe erzielte, sagte sie wörtlich: „Das sieht übrigens mittlerweile eine Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher auch genau so.“ Eine Quelle nannte sie dabei nicht.
Die Gallup-Erhebung widerlegt diese Behauptung direkt: Nur 8 Prozent der Bevölkerung wollen die Neutralität gänzlich abschaffen. Selbst wenn man die 30 Prozent hinzurechnet, die eine Neudefinition befürworten – was keinesfalls gleichbedeutend ist mit dem Kurs der Außenministerin –, kommt man auf 38 Prozent. Von einer Mehrheit ist das weit entfernt. Wie das Parlament Österreich unter Berufung auf das „Austrian Foreign Policy Panel Project“ der Universität Innsbruck festhält, sehen zudem 80 Prozent der Bevölkerung die Neutralität als Teil der nationalen Identität – ein Wert, der die Gallup-Daten eindrücklich bestätigt.
Bedrohung kommt aus Russland, USA und China
Die Gallup-Umfrage zeigt auch, woher die Bevölkerung Gefahren erwartet. Wie oe24.at berichtet, nennen 64 Prozent der Befragten Russland als größte Bedrohung, gefolgt von den USA mit 54 Prozent und China mit 35 Prozent. Die Zustimmung zu einer stärkeren Bindung an die USA ist laut Gallup seit 2021 auf weniger als die Hälfte gesunken. Bei der Frage, mit welchen Ländern die EU bevorzugt Bündnisse eingehen solle, werden am häufigsten das Vereinigte Königreich (41 Prozent), Indien (29 Prozent) und China (24 Prozent) genannt.
Wehrfähigkeit ja – aber im Rahmen der Neutralität
Bemerkenswert ist ein Befund, den auch Meinl-Reisinger gerne als Argument nutzt: 71 Prozent der Befragten sind laut oe24.at der Meinung, Österreich müsse als neutraler Staat militärisch in der Lage sein, sich gegen Angriffe zu verteidigen. 78 Prozent sehen die Rolle Österreichs in aktiver Friedenspolitik und Vermittlung. Beides aber ist vereinbar mit der Neutralität – und wird von den Befragten ausdrücklich im Rahmen dieser verortet, nicht als Argument gegen sie.
Leicht rückläufig ist lediglich das Vertrauen in die stabilisierende Wirkung der Neutralität: 67 Prozent glauben noch, dass sie Sicherheit und Stabilität in Europa stärkt – 2022 waren es noch 73 Prozent. Ein Wandel – aber kein Umschwung.
Credits: APA
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