Außenministerin Beate Meinl-Reisinger jettet nach Saudi-Arabien. Mitten im erbitterten Krieg zwischen den USA und dem Iran sucht die NEOS-Chefin das diplomatische Parkett in Riad. Doch was steckt wirklich hinter dieser rasanten Reise in den Nahen Osten? Geht es um den großen Frieden für die Welt, oder stehen knallharte Geschäfte für unsere Wirtschaft im Vordergrund?
Mission Weltfrieden oder nur schöne Fotos?
Die Bilder zeigen eine strahlende Außenministerin neben mächtigen Männern. Wie das Außenministerium (BMEIA) berichtet, traf Meinl-Reisinger den saudischen Außenminister Faisal bin Farhan Al Saud sowie weitere hochrangige Minister aus den Bereichen Wirtschaft und Energie. Österreich will die aktuelle zweiwöchige Waffenruhe nutzen, um der Diplomatie einen Weg zu bahnen.
Wie die Tageszeitung Die Presse berichtet, warnt Meinl-Reisinger eindringlich vor einer globalen Hungerkatastrophe. Wenn die Straße von Hormus gesperrt bleibt, fehlt der Welt nicht nur Energie, sondern auch wichtiger Dünger für die Landwirtschaft. Die Ministerin bietet Wien offensiv als neutralen Ort für Friedensverhandlungen an. „Dieser Krieg muss so rasch wie möglich beendet werden“, zitiert Südtirol News die Ministerin.
Spott im Netz: Kritik an der „Frau Wichtig“
Doch nimmt man Österreich in dieser globalen Krise überhaupt ernst? Auf Social Media hagelt es Spott für die Außenministerin. Wie das Nachrichtenportal oe24 berichtet, wird Meinl-Reisinger auf Twitter von manchen Usern spöttisch als „Frau Wichtig“ bezeichnet. Man fragt sich, ob die Golfregion wirklich auf eine Vermittlerin aus den Alpen gewartet hat.
Fakt ist nämlich: Die echten diplomatischen Fäden ziehen ganz andere Staaten. Wie Die Presse und Heute übereinstimmend berichten, treten vor allem Länder wie Pakistan, die Türkei, Ägypten und der Oman als echte Vermittler in diesem Konflikt auf. Österreich sitzt hier eher auf der Ersatzbank, auch wenn die Außenministerin vorab eifrig mit vielen Amtskollegen aus der Region telefonierte.
Die wahre Agenda: Es geht um unser Geld
Warum fliegt Meinl-Reisinger dann überhaupt nach Riad? Die Antwort liegt auf der Hand: Es geht um handfeste Interessen und unseren Wohlstand. Wie oe24 treffend analysiert, exportiert Österreich jedes Jahr Industriegüter im Wert von einer dreiviertel Milliarde Euro nach Saudi-Arabien. Im Gegenzug importieren wir für eine halbe Milliarde Euro Erdöl, Aluminium und Kunststoffe.
Wenn in der Golfregion die Lieferketten reißen, spüren wir das sofort an unseren Supermarktkassen und Tankstellen. Zudem blickt die heimische Wirtschaft bereits in die Zukunft. Nach dem Krieg muss die Infrastruktur im Nahen Osten neu aufgebaut werden. Wer jetzt vor Ort Präsenz zeigt und gute Kontakte pflegt, sichert heimischen Firmen lukrative Aufträge in den Bereichen Solarenergie, Windkraft und Wasserstoff.
Am Ende ist die Reise also weniger eine reine Friedensmission, sondern vielmehr ein cleverer Schachzug für die österreichische Wirtschaft. Sich als Vermittler zwischen den Fronten aufzuspielen, wirkt vielleicht etwas überzogen. Doch unsere wirtschaftlichen Interessen in der Krisenregion abzusichern, ist ein absolut notwendiger Schritt für Österreich.
Quelle: oe24, BMEIA, Südtirol News, Die Presse, Heute
Credits: APA
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