Freitagsgebet in der Nicht-Moschee: Was in Mauthausen gerade passiert

Freitagsgebet in der Nicht-Moschee: Was in Mauthausen gerade passiert

Goldene Kalligrafien, ein prächtiger Gebetssaal, Mihrab und Kanzel – und offiziell trotzdem kein Gotteshaus. In Mauthausen hat der türkisch-islamische Verein ATIB ein Bauwerk hingestellt, das aussieht wie eine Moschee, funktioniert wie eine Moschee und trotzdem keine sein darf. Jetzt betet man dort.

Jahrelang geplant, juristisch verbogen

Die Geschichte beginnt vor über einem Jahrzehnt. Der türkisch-islamische Verein ATIB Mauthausen hatte 2012 einen Baugrund im Gewerbegebiet neben der B123 erworben, um dort ein Gebetshaus zu errichten – die SPÖ stimmte für die Umwidmung. Meinbezirk Doch das Land Oberösterreich spielte nicht mit: Ein Neubau für Religionsausübung im Gewerbegebiet wurde untersagt. Sonderwidmungen – ob „Seelsorge“ oder „Kulturstätte“ – scheiterten ebenfalls.

Die Lösung? Es gab dennoch eine Baubewilligung – und zwar als Gastronomiebetrieb und Veranstaltungszentrum mit Café und Seminarräumen. Volksblatt Was auf dem Papier wie ein Vereinsrestaurant klingt, schaut in der Realität ganz anders aus.

Der Saal, der nicht lügt

Wer die Facebook-Seite von ATIB Mauthausen aufruft, sieht Fotos, die wenig Interpretationsspielraum lassen. Prächtige goldene Kalligrafien schmücken den riesigen Gebetssaal, der alles bietet, was eine richtige Moschee ausmacht: Zu sehen sind die Mihrab, eine reich verzierte Gebetsnische, daneben die Minbar – also die Kanzel für den Imam – und der durchgehende Teppich, der die Gebetsreihen für die Betenden markiert. Beeindruckte Besucher hinterlassen auf Facebook bewundernde Kommentare: „Was für eine wunderschöne Moschee“, steht da auf Türkisch zu lesen. exxpress.at

Offiziell heißt das Gebäude aber anders. ATIB kommuniziert auf Türkisch von einer „Külliye“ – einem Begriff aus dem Osmanischen Reich, der einen Gebäudekomplex rund um eine Moschee bezeichnet. Das Wort „Cami“ (Moschee) wird sorgsam vermieden.

Versprechen, Gebet, Schweigen

ATIB-Obmann Erkan Nayir hatte kurz nach Baubeginn noch klar gesagt, wo künftig gebetet werden würde: im alten Vereinshaus im Ortszentrum. Das solle Gebetshaus bleiben, „solange wir es uns leisten können“. Auf die Frage, wie lange das sei, antwortete er: „Ich weiß nicht, was in fünf oder zehn Jahren ist.“ Volksblatt

Jetzt sind es keine fünf Jahre geworden. Während des heurigen Ramadans fand das erste Freitagsgebet im neuen Gebäude statt. Zur Einweihung reiste eigens der Mufti von Bandirma, Abdülhamid Pehlivan, aus der Türkei an – ein Vertreter der Diyanet, der Staatschef Erdogan direkt unterstehenden Religionsbehörde, zu deren zentralem Auftrag die Ausweitung des Einflusses Ankaras auf die türkische Diaspora zählt. exxpress.at

Auf Anfragen dazu reagierte Nayir nicht. Auch Bürgermeister Thomas Punkenhofer (SPÖ) zeigt sich wenig auskunftsfreudig. Auf die Frage, wie er damit umgehe, dass entgegen der Baubewilligung nun de facto eine Moschee im Betriebsbaugebiet steht, teilt er mit, dass ihm „derzeit kein Verfahren bekannt ist“, das dem Journalisten eine entsprechende Parteistellung einräume. exxpress.at

Rechtslage ist klar – Konsequenzen fehlen

Die rechtliche Situation ist dabei eindeutig. Das Land Oberösterreich bekräftigt auf Anfrage die schon 2015 kommunizierte Feststellung, dass eine Nutzung des ATIB-Zentrums „bloß zur Religionsausübung“ nicht mit der Widmungskategorie „Betriebsbaugebiet“ vereinbar sei und eine Baulandsonderwidmung notwendig wäre. exxpress.at

ÖVP-Gemeinderat Leonhard Sallinger und FPÖ-Fraktionsobmann Alexander Nerat sehen nun den Bürgermeister als Baubehörde erster Instanz am Zug. Nerat meint, gegen gelegentliche Gottesdienste sei „nichts einzuwenden, sonst müsste man ja auch jede Feldmesse untersagen“ – aber eine regelmäßige religiöse Nutzung sei behördlich zu untersagen und zu sanktionieren. exxpress.at Sallinger kommentiert nüchtern: „Wir haben von Anfang an gewarnt, dass es zu Widmungskonflikten kommen könnte.“ exxpress.at

Nachbar Hugo Wagner, dessen Metallverarbeitungsbetrieb direkt angrenzt, brachte es bereits 2021 auf den Punkt: „Es hat nicht funktioniert, weil die einen Trick anwenden und sagen, es ist gar keine Moschee.“ Volksblatt

Der Trick hat funktioniert. Was jetzt folgt, liegt am Bürgermeister – der sich bisher in Schweigen hüllt.


Quellen: exxpress.at, volksblatt.at, meinbezirk.at, wikipedia.org (ATIB Union)

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