„Free Palestine“ als Deckmantel: Undercover-Journalistin deckt Antisemitismus in linken Bewegungen auf

„Free Palestine“ als Deckmantel: Undercover-Journalistin deckt Antisemitismus in linken Bewegungen auf

Die französische Journalistin Nora Bussigny verbrachte ein Jahr als verdeckte Ermittlerin in pro-palästinensischen Gruppen. Was sie dokumentierte, erschüttert Frankreich — und ist weit mehr als ein französisches Problem.

Ein Jahr Doppelleben

Demonstrationen, Universitätscampus, feministische Treffen, Telegram-Gruppen — Nora Bussigny war überall dabei. Unter falscher Identität infiltrierte die 30-jährige französische Journalistin über ein Jahr lang das Milieu pro-palästinensischer und linksextremistischer Organisationen in Frankreich, Brüssel und an der New Yorker Columbia University. Das Ergebnis ist ihr Buch Les Nouveaux Antisémites — auf Deutsch: Die neuen Antisemiten — das Ende September 2025 erschien und trotz Boykottaufrufen mehrerer Buchhandlungen zum nationalen Bestseller avancierte. Wie das Magazin Ynet News berichtet, gewann es zudem den renommierten Prix Edgar Faure als bestes politisches Buch des Jahres 2025.

Bussigny ist weder Jüdin noch war sie jemals in Israel. Ihre Mutter stammt aus Marokko. Genau das macht ihre Beobachtungen besonders brisant.

Was sie hinter der Parole fand

Laut Berichten des Times of Israel und Jewish News entdeckte Bussigny undercover, dass klassische antisemitische Stereotype in den Bewegungen nicht verschwunden, sondern lediglich umcodiert worden sind: Das Wort „Jude“ wird durch „Zionist“ ersetzt, die Substanz bleibt dieselbe. In Schulungen der Organisation Urgence Palestine, an denen sie teilnahm, sprachen Referenten von einer angeblichen „zionistischen Verschwörung“ in Frankreich, die Medien und Regierung kontrolliere. Wer diese Rhetorik kennt, erkennt sie sofort: Es sind klassische antisemitische Verschwörungserzählungen in neuem Gewand.

Auch die Sprache sei streng kodiert gewesen, berichtet Bussigny. Israel dürfe nur als „zionistische Entität“ bezeichnet werden, die israelische Armee ausschließlich als „Völkermord-Armee“. Wer das Wort „Israel“ neutral verwendete, verriet sich sofort.

Islamisten, Linksextreme, Feministinnen — vereint durch Hass

Besonders aufschlussreich ist, wen Bussigny in diesen Netzwerken antraf. Wie haolam.de auf Basis ihrer Recherchen berichtet, traf sie auf eine unerwartete Koalition: Islamisten, linksextreme „Progressive“, feministische Aktivisten und Klimaschützer — Gruppen, die in nahezu allen anderen politischen Fragen unversöhnlich sind — verbünden sich unter dem Banner der Palästina-Solidarität. Was sie eint, ist nicht Mitgefühl für die palästinensische Zivilbevölkerung, sondern der gemeinsame Hass auf Israel und Juden.

Bussigny beschreibt, wie sie bei Demonstrationen, die offiziell für Frauenrechte oder LGBTQ-Rechte abgehalten wurden, Parolen hörte, die den Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 glorifizierten — ohne dass irgendjemand auf den Widerspruch hinwies, dass im Hamas-kontrollierten Gaza Homosexuelle verfolgt werden.

Samidoun und Co.: Terrororganisationen mit staatlicher Rückendeckung

Besonders brisant sind Bussignys Erkenntnisse über die Strukturen hinter den Bewegungen. Wie Jewish News berichtet, dokumentiert sie, wie Organisationen wie Urgence Palestine, Palestine Vaincra und Samidoun in Frankreich politische Unterstützung genießen, Zugang zu öffentlichen Räumen erhalten und teils indirekt staatlich gefördert werden. Samidoun ist in den USA, Deutschland und Kanada als Terrororganisation eingestuft — in Frankreich aber operiert die Gruppe weitgehend ungehindert.

Morddrohungen, Polizeischutz, Buchboykott

Die Reaktion auf ihre Recherche kam prompt und heftig. Wie Bussigny gegenüber dem Times of Israel schilderte, erhält sie seit Erscheinen des Buches Morddrohungen und massive Hasskommentare in sozialen Medien. Öffentliche Auftritte kann sie nur noch unter Polizeischutz absolvieren. Mehrere Buchhandlungen weigern sich, das Werk zu führen — und sagen das auch offen so.

Bussigny wird als Verräterin beschimpft, als Komplizin eines „Genozids“, als Werkzeug israelischer Interessen. Ironisch für eine franco-marokkanische Frau, die ausdrücklich betont, keine Jüdin zu sein und nie in Israel war.

Ein Warnsignal für ganz Europa

Bussigny hat inzwischen vor der französischen Nationalversammlung ausgesagt und unterstreicht, dass ihr Buch kein Meinungsessay, sondern ein Protokoll ist. Ihre Schlussfolgerung, wie das Daily Wire zusammenfasst: Die Radikalisierung junger Generationen und die Normalisierung antisemitischer Denkmuster sind keine Randerscheinungen mehr, sondern reichen tief in die gesellschaftliche Mitte hinein. „Free Palestine“ fungiert dabei als offene Einladung für jeden, der seinen Judenhass salonfähig verpacken will.

Credits: APA

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