Eine parlamentarische Anfragebeantwortung von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) sorgt bei der FPÖ für Kopfschütteln – und für ein bissiges Spott-Sujet. Anlass ist eine Aussage des Ministeriums zum aktuellen Zustand des österreichischen Waldes als CO₂-Speicher.
Ein Baum mit Pfeife als Antwort
Mit einem zugespitzten Posting kritisiert die FPÖ die Klimapolitik der Bundesregierung. Zu sehen ist ein Pfeife rauchender Baum mit einer großen CO₂-Wolke, dazu der Text: „Jetzt sind sogar Bäume ‚Klimasünder‘!“ Die Partei verweist auf eine parlamentarische Anfrage ihres Energiesprechers Paul Hammerl und merkt süffisant an, im Biologieunterricht habe man Photosynthese „noch anders gelernt“.
Was das Ministerium tatsächlich schrieb
Hintergrund ist eine Anfrage zur Klimaneutralität 2040 an Totschnig. In seiner Beantwortung hält das Ministerium fest, dass Österreichs Wald jahrzehntelang eine große Kohlenstoff-Netto-Senke gewesen sei – zuletzt sei die Speicherung aber zurückgegangen, in einzelnen Jahren sei der Wald sogar zur Netto-Quelle geworden. Als Gründe nennt das Ministerium unter anderem Trockenheit, Borkenkäfer und Unwetterschäden.
FPÖ verweist auf Zahlen des Waldverbands
Genau an dieser Darstellung setzen Hammerl und FPÖ-Abgeordneter Peter Schmiedlechner ihre Kritik an. Sie verweisen auf Angaben des Österreichischen Waldverbands, wonach nachhaltige Waldbewirtschaftung und Holznutzung die Atmosphäre seit 1990 um rund 900 Millionen Tonnen fossiles CO₂-Äquivalent entlastet hätten. Gleichzeitig sei der Holzvorrat um 255 Millionen Vorratsfestmeter gewachsen. „Wenn ihn das Ministerium plötzlich so berechnet, als würde er mehr CO₂ ausstoßen als speichern, dann stimmt gewaltig etwas mit der Rechnung des Ministeriums nicht“, kritisieren die beiden Abgeordneten.
Vorwurf: Kein Plan B für die Klimaneutralität
Zusätzlich bemängelt die FPÖ, dass das Ministerium keinen konkreten Ersatzplan nenne, sollte der Wald künftig weniger CO₂ aufnehmen als für die angestrebte Klimaneutralität 2040 eingeplant. „Gemäß seiner Beantwortung der parlamentarischen Anfrage kennt er weder die Kosten noch hat er einen Plan B. Trotzdem sollen Bevölkerung und Wirtschaft dafür geradestehen“, so Hammerl.
Ein weiterer Streitpunkt im Klimagesetz-Streit
Die aktuelle Kontroverse reiht sich in eine bereits seit Wochen andauernde Debatte um das neue Klimagesetz und das darin verankerte Ziel der Klimaneutralität bis 2040 ein, das zuletzt bereits von Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung und Wirtschaftsbund scharf kritisiert worden war. Mit dem Vorwurf einer fehlerhaften oder zumindest missverständlichen Waldbilanz durch das eigene Ministerium bringt die FPÖ nun einen zusätzlichen fachlichen Streitpunkt in die Debatte ein.
Credits: Paul Gruber
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