Westenthaler und Urtz sehen Pflichtverletzung – der Streit um die Causa Weißmann eskaliert auf eine neue Ebene.
Die Beschwerde
Die FPÖ-ORF-Stiftungsräte Peter Westenthaler und Christoph Urtz haben bei der Kommunikationsbehörde KommAustria offiziell Beschwerde gegen den Vorsitzenden des ORF-Stiftungsrats, Heinz Lederer (SPÖ-nah), und seinen Stellvertreter Gregor Schütze (ÖVP-nah) eingebracht. Wie oe24 berichtet, werfen sie den beiden vor, den ORF-Stiftungsrat als zuständiges Kollegialorgan in der Causa Weißmann „ausgeschaltet“ zu haben. Konkret hätten Lederer und Schütze den Stiftungsrat umgehend informieren und über die Abberufung des Generaldirektors entscheiden lassen müssen – stattdessen hätten sie die Angelegenheit zunächst bilateral abgewickelt.
Was in der Causa Weißmann geschah
Anfang März 2026 trat ORF-Generaldirektor Roland Weißmann mit sofortiger Wirkung zurück, nachdem eine ORF-Mitarbeiterin Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben hatte – Vorwürfe, die Weißmann über seinen Anwalt entschieden zurückweist. Wie der ORF selbst berichtete, hatten Lederer und Schütze Weißmann eine 48-Stunden-Frist gesetzt, sich mit dem Anwalt der betroffenen Mitarbeiterin zu verständigen – ohne den Stiftungsrat einzubinden. Viele Mitglieder des Gremiums erfuhren von der Affäre erst aus den Medien.
Lederer verteidigte das Vorgehen im Ö1-Mittagsjournal mit dem Hinweis, man habe rasch gehandelt und Weißmann auch die Chance geben müssen, die Vorwürfe „nachzuprüfen“. Den Vorwurf des Alleingangs wies er zurück. Weißmann ließ hingegen über seinen Anwalt mitteilen, Lederer verbreite „Unwahrheiten“ über die Rücktrittsumstände.
Westenthaler: „Verheerend und nicht abschätzbar“
Für FPÖ-Stiftungsrat Westenthaler sind die Konsequenzen des Vorgehens schwerwiegend. Wie oe24 aus der Beschwerde zitiert, habe Lederer zudem den Arbeitsrechtler Gerlach beauftragt, „obwohl ihm dazu die Rechtsgrundlage“ gefehlt habe. Der Vorwurf: Es sei gezielt Druck aufgebaut worden, um einen Rücktritt herbeizuführen und eine ordentliche Behandlung im Stiftungsrat zu vermeiden. Westenthalers Fazit: „Das Verhalten des Duos Lederer/Schütze an der Spitze des ORF-Stiftungsrates mit Pflichtverletzungen, Unvereinbarkeiten und Geschäftemacherei hat dem ORF massiv geschadet. Die Folgen sind verheerend und in ihrer Dimension noch gar nicht endgültig abschätzbar.“
Wie exxpress bereits kurz nach dem Rücktritt berichtete, hatte Westenthaler Lederer schon unmittelbar als „rücktrittsreif“ bezeichnet und kritisiert, dass der Stiftungsrat „sechs Tage lang weder informiert noch eingebunden“ worden sei.
ORF sucht neuen Chef – Streit bleibt
Während der Konflikt an der Stiftungsratsspitze eskaliert, läuft im Hintergrund der Betrieb weiter. Radiodirektorin Ingrid Thurnher übernahm die vorläufige Geschäftsführung. Eine Ausschreibung für den Generaldirektorenposten bis Ende 2026 soll laut Salzburg24 „unverzüglich“ aufgesetzt werden, eine zweite für die Funktionsperiode ab 2027 ist für Anfang Mai geplant. Die KommAustria muss nun entscheiden, ob das Vorgehen von Lederer und Schütze tatsächlich rechtliche Konsequenzen hat.
Quellen: oe24.at, ORF (orf.at), exxpress.at, Salzburg24.at (salzburg24.at), heute.at
Credits: APA
Neueste Kommentare