Der aktuelle Rechtsextremismusbericht des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) löst massive Kritik aus. FPÖ und die Meldestelle für Christenfeindlichkeit werfen dem DÖW vor, normale Bürger und christliche Positionen in Extremismus-Nähe zu rücken.
Christenschutz kritisiert „Rechtsextremismus-Barometer“
Wie Exxpress berichtet, kritisiert die Meldestelle für Christenfeindlichkeit (Christenschutz.at) das im DÖW-Bericht verwendete „Rechtsextremismus-Barometer“ scharf. Dieses rücke gesellschaftlich verbreitete Haltungen vorschnell in die Nähe von Extremismus, so die Meldestelle.
Konkret geht es laut Kathpress um Positionen, die viele Menschen als legitim sehen – etwa den Glauben an zwei biologische Geschlechter, die Erwartung, dass sich Zuwanderer an Österreichs Kultur anpassen, sowie das Eintreten für traditionelle Familienbilder.
Kritik am Konzept der „Resonanzräume“
Besonders sensibel sei das DÖW-Konzept der „Resonanzräume“, unter dem auch „religiöse Fundamentalismen“ genannt werden, berichtet Exxpress. Christenschutz befürchtet, dass christliche Anliegen und Organisationen dadurch pauschal missverstanden und zu Unrecht mit extremistischen Milieus in Verbindung gebracht werden.
„Diese Methodik konstruiert eine Form der Kollektivschuld ohne empirischen Nachweis“, zitiert Kathpress Suha Dejmek, Vorstandsmitglied der Meldestelle. Es handle sich um einen „massiven Angriff auf die Religions- und Meinungsfreiheit“, wenn religiöse Überzeugungen als demokratiegefährdend eingestuft würden.
Jan Ledóchowski, Vorsitzender von Christenschutz.at, zeigte sich laut Kathpress persönlich betroffen. Zwei seiner Urgroßväter seien vom NS-Regime verfolgt worden, einer davon erschossen, ein weiterer im Konzentrationslager inhaftiert gewesen. „Christen und konservative Bürger im selben Atemzug mit Neonazis zu nennen, ist eine unerträgliche Verharmlosung des tatsächlichen NS-Unrechts“, so Ledóchowski.
FPÖ spricht von „Skandal“
Am Samstag äußerte sich auch FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz in einer Presseaussendung und übte laut Exxpress scharfe Kritik. „Was Innenminister Karner und seine ÖVP über das DÖW jetzt veröffentlichen lassen, ist ein handfester Skandal! Menschen, die an zwei biologische Geschlechter glauben, die für traditionelle Familienwerte stehen oder die meinen, dass sich Zuwanderer an unsere Kultur anzupassen haben, werden plötzlich in die Nähe von Rechtsextremismus gerückt“, zitiert ihn Exxpress.
Wie die FPÖ-Website berichtet, bezeichnete Schnedlitz den Bericht als „skandalöse Farce“ und einen „offensichtlichen Versuch der Regierung, Steuergeld zu missbrauchen“. In den letzten Jahren seien mehr als 220.000 Euro an Steuergeld an das DÖW geflossen.
Gerichtlicher Hintergrund
Die Auseinandersetzung zwischen FPÖ und DÖW hat eine Vorgeschichte. Wie der Standard berichtet, darf die FPÖ das DÖW auch nach einem Entscheid des Oberlandesgerichts Wien weiterhin „pseudowissenschaftlich“ nennen. Das OLG wies im Oktober 2025 eine Berufung des DÖW gegen ein erstinstanzliches Urteil ab.
Laut Puls 24 argumentierte das Gericht, das DÖW agiere nicht rein wissenschaftlich, sondern mit der Absicht, politische Haltungen zu beeinflussen. Als „Akteur auf der politischen Bühne“ müsse es heftigere Kritik ertragen.
Katholische Aktion sieht das anders
Im Gegensatz zur Kritik begrüßt die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) laut Die Tagespost den DÖ-Bericht. KAÖ-Präsident Ferdinand Kaineder sieht sich in seinen Warnungen vor „ultrakonservativen Katholiken“ bestätigt. „Wir sind dem Dokumentationsarchiv dankbar, dass sie in ihrem Bericht den Bündnissen zwischen Rechtskatholizismus und völkischem Rechtsextremismus besondere Aufmerksamkeit widmet“, zitiert ihn Die Tagespost.
Finanzierung des DÖW im Fokus
Die FPÖ kritisiert auch die Finanzierung des DÖW. Wie die FPÖ-Website berichtet, flossen allein im letzten Jahr fast 90.000 Euro an Steuergeld an den Verein. Die Partei fordert die Auflösung der Verträge mit dem DÖW und verlangt, dass die ÖVP die Kosten aus eigener Tasche bezahlt.
Theologin sieht Vereinnahmung durch Rechtsextreme
Die Innsbrucker Theologin Michaela Quast-Neulinger bewertet die Situation laut Kathpress anders. Christliche Inhalte würden zunehmend von rechtsextremen Milieus aufgegriffen und politisch vereinnahmt. Für Kirchen und Theologie sei dies ein „Weckruf“, blinde Flecken zu reflektieren.
Quellen:
- Exxpress: „Nach Skandal-Bericht: FPÖ über Dokumentationsarchiv erzürnt“ und „Christen-Plattform attackiert DÖW“
- Kathpress: „‚Christenschutz‘-Meldestelle kritisiert DÖW-Rechtsextremismusbericht“ und „DÖW-Bericht: Politisierung christlicher Themen durch Rechtsextreme“
- FPÖ-Website: „‚Rechtsextremismusbericht‘: Pseudowissenschaft gegen FPÖ kostet viel Steuergeld“
- Der Standard: „Gerichtsentscheid: FPÖ darf DÖW weiter ‚pseudowissenschaftlich‘ nennen“
- Puls 24: „FPÖ gewann weiteres Verfahren gegen Dokumentationsarchiv“
- Die Tagespost: „Österreich: Christliche Werte als rechtsextrem diffamiert“
- Pressefeuer: „Kritik am DÖW-Bericht: Christenschutz.at wehrt sich“
Credits: APA
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