Die FPÖ Niederösterreich geht scharf auf Konfrontationskurs mit Bildungsminister Christoph Wiederkehr. Dessen „Plan Z“ mit zwei neuen Schulfächern sei realitätsfern und überfordere Lehrer, warnt Bildungssprecher Helmut Fiedler. Die Freiheitlichen fordern stattdessen mehr Deutschförderung und Schulpsychologen.
Mit deutlichen Worten wendet sich die FPÖ Niederösterreich gegen die Bildungspläne von NEOS-Minister Christoph Wiederkehr. Der sogenannte „Plan Z“, der eine umfassende Schulreform inklusive zweier neuer Fächer vorsieht, stoße bei den Freiheitlichen auf fundamentale Ablehnung. „Unsere Lehrer arbeiten längst am Limit“, kritisiert FPÖ-Bildungssprecher Helmut Fiedler in einer aktuellen Stellungnahme, wie die Austria Presse Agentur (APA) berichtet.
Neue Fächer ohne Konzept?
Im Zentrum der Kritik steht die geplante Einführung zweier neuer Unterrichtsfächer im Rahmen von Wiederkehrs Bildungsreform. Konkret geht es um das Fach „Medien und Demokratiebildung“ sowie verstärkte Künstliche-Intelligenz-Inhalte. Laut ORF.at sollen dafür bestehende Fächer gekürzt werden – insbesondere Latein und die zweite lebende Fremdsprache in der AHS-Oberstufe.
Genau hier setzt die FPÖ-Kritik an: „Statt endlich administrative Lasten zu senken, werden zwei neue Fächer geplant, ohne abgesicherte Ausbildungsschienen und ohne realistische Personalplanung. Das ist verantwortungslos“, so Fiedler laut OTS-Aussendung vom 5. Februar. Die Konsequenz sei klar: mehr Bürokratie, mehr Druck auf Pädagogen und weniger echte Unterrichtszeit.
Sorge um Sprachfächer und Junglehrer
Besonders alarmiert zeigt sich die FPÖ wegen der befürchteten Auswirkungen auf Sprachlehrer. Durch die Verschiebung in der Stundentafel drohten massive Stundenverluste für Sprachlehrer – auch für Junglehrer, die gerade erst ins System einsteigen. „Damit werden sprachlich-kulturelle Fächer geschwächt. Ein Rückschritt für das Gymnasium“, warnt Fiedler.
Die freiheitlichen Bildungspolitiker befürchten, dass das geplante Vorhaben an der Realität der Schulen vorbeigeht und bestehende Probleme verschärft statt löst.
„Inhalte sind bereits vorhanden“
Inhaltlich stellt die FPÖ Niederösterreich die Notwendigkeit der neuen Fächer grundsätzlich infrage. KI, Medienkompetenz und Demokratiebildung seien zweifellos wichtige Themen, argumentiert Fiedler. Allerdings seien diese Inhalte bereits heute in mehreren Fächern verankert.
Zudem verweist die FPÖ darauf, dass mit dem neuen Lehrplan ab 2027/28 genau diese Bereiche ohnehin weiter ausgebaut würden, wie aus der Presseaussendung hervorgeht. Ein zusätzliches eigenes Fach halte man daher für überflüssig und kontraproduktiv.
Wiederkehr sieht sich durch Umfrage bestätigt
Bildungsminister Wiederkehr präsentierte hingegen erst diese Woche eine Umfrage, die seine Pläne stützen soll. Laut ORF.at wurden im Jänner 45.000 Schüler, Eltern und Lehrkräfte befragt. Das Ergebnis: 83 Prozent der Schüler und 74 Prozent der Eltern sprachen sich dafür aus, Lehrinhalte bestehender Fächer zu kürzen und damit Platz für neue Themen zu schaffen.
Auch 71 Prozent der befragten Lehrer befürworteten diese Richtung, wie Meinungsforscher Peter Hajek bei der Präsentation erklärte. Wiederkehr sah sich durch die Ergebnisse in seiner Stoßrichtung bestätigt: „Ich sehe mich durch die Umfrage bestärkt, auch was die Reduzierung bestehender Fächer betrifft“, zitiert ihn Schule.at.
FPÖ fordert andere Prioritäten
Statt neuer Gegenstände fordert die FPÖ Niederösterreich eine klare politische Schwerpunktsetzung in anderen Bereichen. An erster Stelle steht die Deutschförderung. „Wir brauchen funktionierende Schulen und keine Experimente auf dem Rücken der Lehrkräfte und Kinder“, formuliert Bildungssprecher Fiedler die Forderung seiner Partei.
Konkret verlangt die FPÖ mehr Schulpsychologen zur besseren Unterstützung der Schüler sowie eine konsequente Entbürokratisierung des Schulalltags. Lehrer müssten wieder mehr Zeit für Unterricht haben und weniger für administrative Aufgaben, so die Argumentation.
Breite Kritik auch aus anderen Lagern
Die FPÖ steht mit ihrer Kritik nicht allein. Auch der ehemalige ÖVP-Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka äußerte Bedenken. Es brauche ein „holistisches System“ im Bildungsbereich, sagte Sobotka laut ORF.at. „Wenn wir nur sagen, wir kürzen irgendwo zwei Stunden und das füllen wir dann auf, dann ist das nur ein Flickwerk und kann nicht wirklich ein Reformentwurf sein.“
ÖVP-Bildungssprecher Nico Marchetti forderte eine Reform des Lehrplans „in seiner Gesamtheit“ und lehnte Kürzungen des Lateinunterrichts ab. Schwerpunkte sollten nicht vom Ministerium vorgegeben, sondern schulautonom festgelegt werden.
Wie geht es weiter?
Ende März will Wiederkehr seinen „Plan Z“ im Detail präsentieren, wie die Nachrichten.at berichtet. Der Plan soll Reformmaßnahmen vom Kindergarten über die Schulen bis zur Ausbildung der Pädagogen enthalten. In den nächsten Wochen finden zudem in ganz Österreich Bürgerforen statt, um die Reformideen weiter zu diskutieren.
Die FPÖ Niederösterreich hat ihre Position jedenfalls klar gemacht: „Schluss mit Experimenten – Stopp des pinken Plan Z“, lautet die Forderung von Bildungssprecher Fiedler. Ob der Minister auf die Kritik eingehen wird, bleibt abzuwarten.
Credits: APA
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