Die Bilder sind erschütternd: Am Strand von Gravelines in Nordfrankreich steigen Dutzende Migranten in ein kleines Schlauchboot, dicht gedrängt, ohne Schwimmwesten. Ihr Ziel: Großbritannien. Französische Gendarmen stehen daneben – und greifen nicht ein. Wie die britische Zeitung Daily Mail berichtet, ist dies kein Einzelfall. Allein in den letzten Tagen erreichten über 500 Migranten die britische Küste. Seit Jahresbeginn sind es bereits mehr als 4.000.
Ein System unter Druck
Die britische Regierung unter Premierminister Keir Starmer steht massiv in der Kritik. Seit seinem Amtsantritt haben über 67.000 Menschen die gefährliche Überfahrt gewagt – trotz des Versprechens, die Schlepperbanden zu zerschlagen. Doch die Zahlen bleiben hoch, und die Opposition wirft der Regierung vor, zu wenig zu tun. Der Rücktritt von Martin Hewitt, dem Chef des britischen Grenzschutzes, verschärft die Situation zusätzlich. Hewitt, der vor 18 Monaten als Hoffnungsträger für die Bekämpfung der illegalen Migration eingesetzt wurde, verlässt seinen Posten vorzeitig. Laut Altitudes Magazine bleibt unklar, ob die von ihm geleitete Border Security Command ihre Ziele erreicht hat.
Frankreichs Rolle und internationale Spannungen
Ein weiterer Streitpunkt ist die Rolle Frankreichs. Laut Daily Mail hat sich Frankreich von der Verpflichtung zurückgezogen, Boote im Ärmelkanal abzufangen. Dies untergräbt eine der zentralen Säulen der britischen Strategie. Die britische Innenministerin Shabana Mahmood kündigte unterdessen eine Verschärfung der Asylpolitik an, die sich am dänischen Modell orientiert. Wie die Tagesschau berichtet, sollen Hilfen für Asylbewerber gekürzt und Rückführungen erleichtert werden. Kritiker sprechen von einer „Sündenbockpolitik“, die die humanitären Bedürfnisse der Flüchtlinge ignoriere.
Politische Konsequenzen
Die Opposition nutzt die Krise, um die Regierung unter Druck zu setzen. Chris Philp, der Schatten-Innenminister, bezeichnete die Situation als „komplettes Versagen“ der Regierung. Die Reformen, so Philp, seien nicht ausreichend, um die Überfahrten zu stoppen. Gleichzeitig wächst der Unmut in der Bevölkerung. Laut Tagesschau haben Anti-Migrations-Proteste in Großbritannien zugenommen, insbesondere gegen die Unterbringung von Asylsuchenden in Hotels.
Quellen: exxpress.at, Daily Mail, Tagesschau, Altitudes Magazine
Credits: APA
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