Die Lage an den Küsten Nordafrikas spitzt sich dramatisch zu. Während das Mittelmeer ruhiger wird, bereiten sich unzählige Menschen auf die wohl gefährlichste Reise ihres Lebens vor. Organisierte Kriminelle nutzen die instabile Situation in Libyen schamlos aus und verdienen Millionen an der Verzweiflung der Flüchtenden.
Das lukrative Geschäft mit der Hoffnung
Die Dimensionen der aktuellen Migrationswelle sind gewaltig. Derzeit warten rund 550.000 Migranten in Libyen auf eine Gelegenheit, um nach Europa überzusetzen, wie welt.de berichtet. Diese alarmierende Zahl stammt direkt vom griechischen Migrationsminister Thanos Plevris. Die Schleuserbanden haben in dem zerrissenen Land derzeit Hochkonjunktur. Sie füllen ihre Kassen, indem sie veraltete und oft seeuntaugliche Boote völlig überladen auf das offene Meer schicken.
In der östlichen Ägäis sind die Migrationsströme zwar um beachtliche 70 Prozent zurückgegangen, was auf eine strengere Überwachung und die Zusammenarbeit mit der türkischen Küstenwache zurückzuführen ist. Das Hauptproblem hat sich jedoch verlagert. Libyen ist nun das absolute Zentrum der illegalen Überfahrten. Die griechische Küstenwache musste erst am Sonntag 125 Migranten aus zwei Booten südlich von Kreta retten. Da aktuell ruhiges Wetter mit leichten Winden herrscht, gehen die Offiziere davon aus, dass bereits weitere Schiffe in Richtung der griechischen Inseln in See gestochen sind.
Dunkelziffer weit höher als offizielle Statistiken
Die offiziellen Statistiken des UN-Flüchtlingshilfswerks lesen sich bereits dramatisch. Rund 42.000 Migranten erreichten im vergangenen Jahr über den Seeweg die Europäische Union. Doch die Realität sieht offenbar noch düsterer aus. Ein EU-Politikinsider verriet, dass die inoffiziellen Zahlen mindestens dreimal so hoch sein dürften. Demnach haben in Wahrheit weit über 120.000 Menschen die Küsten Europas erreicht. Die Route über das Mittelmeer bleibt dabei eine tödliche Falle. Laut der Internationalen Organisation für Migration sind allein in diesem Jahr bereits über 1050 Menschen bei der Überfahrt gestorben oder gelten als vermisst.
Widerstand gegen ein direktes Eingreifen
Die Europäische Union versucht verzweifelt, das Problem an der Wurzel zu packen und die kriminellen Netzwerke direkt vor Ort zu zerschlagen. Die Pläne für einen Militäreinsatz gegen die Schleuserbanden stoßen jedoch auf massiven Widerstand. Die libysche Regierung weigert sich strikt, Kampfeinsätze in ihren Häfen zu dulden und sieht darin einen massiven Verstoß gegen die eigene Souveränität, wie tagesschau.de meldet. Ohne die direkte Erlaubnis aus Tripolis sind der EU jedoch weitgehend die Hände gebunden, um die Boote der Schlepper bereits an Land zu zerstören. Athen arbeitet nun intensiv mit der EU-Grenzschutzagentur Frontex und den lokalen Behörden zusammen, um Abfahrten so früh wie möglich zu erkennen und zu stoppen.
Quellen: exxpress.at, welt.de, tagesschau.de
Credits: APA
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