Wer in den nächsten Monaten verreisen will, sollte jetzt buchen. Denn was der Iran-Krieg mit den Ölpreisen macht, schlägt mit zeitlicher Verzögerung direkt auf die Flugtickets durch — und die Branche verheimlicht das nicht länger.
Kerosin hat sich praktisch verdoppelt
Der Auslöser der Preisspirale ist die seit Ende Februar andauernde de-facto-Blockade der Straße von Hormuz durch iranische Streitkräfte. Wie der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft gegenüber Business Insider bestätigte, ist der Ölpreis seit Januar 2026 von rund 60 Dollar auf über 100 Dollar pro Barrel gestiegen — ein Plus von mehr als 50 Prozent. Kerosin hat sich seither in Europa nahezu verdoppelt, wie urlaubspiraten.de berichtet. Der globale Durchschnittspreis lag zuletzt laut IATA Fuel Monitor bei rund 175 US-Dollar pro Barrel — ein Plus von 94 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Für die Luftfahrtbranche ist das besonders heikel: Treibstoff macht rund 20 bis 30 Prozent der Betriebskosten einer Fluggesellschaft aus. Wer Tickets zu alten Preisen verkauft hat und nun zu gestiegenen Kerosinkosten fliegt, zahlt drauf.
Europäer abgesichert — aber nicht dauerhaft
Europäische Airlines sind vorerst besser aufgestellt als ihre amerikanischen und asiatischen Konkurrenten. Wie airliners.de berichtet, hat EasyJet für das erste Halbjahr 2026 rund 84 Prozent seines Kerosinbedarfs abgesichert, Air France-KLM sogar 87 Prozent. Ryanair ist für das laufende Geschäftsjahr zu rund 77 Prozent gehedgt.
EasyJet-Chef Kenton Jarvis macht aber keinen Hehl daraus, was kommt: Mit dem Auslaufen dieser Absicherungen sei ein deutlicher Anstieg der Ticketpreise zu erwarten — seine Empfehlung an Reisende lautet klar, Flüge jetzt so früh wie möglich zu buchen. Denn im zweiten Halbjahr ist EasyJet nur noch zu 62 Prozent abgesichert.
Am anderen Ende der Skala steht die skandinavische SAS, die laut airliners.de ihre Hedging-Politik vorübergehend vollständig ausgesetzt hat und damit dem vollen Marktrisiko ausgesetzt ist.
United Airlines streicht fünf Prozent seiner Flüge
Besonders drastisch reagiert United Airlines. Wie airliners.de berichtet, hat der US-Carrier angekündigt, rund fünf Prozent seiner geplanten Sommerkapazitäten zu streichen. CEO Scott Kirby bereitet das Unternehmen darauf vor, dass der Ölpreis auf bis zu 175 Dollar pro Barrel steigen könnte — und bis Ende 2027 nicht mehr unter die 100-Dollar-Marke fällt. Auf dem aktuellen Preisniveau würden die Mehrkosten für Kerosin United rund elf Milliarden US-Dollar pro Jahr kosten. Bereits jetzt seien die Ticketpreise laut Kirby in einer Woche um 15 bis 20 Prozent gestiegen. Das Analysehaus Melius Research rechnet mit weiteren fünf bis sieben Prozent.
Auch Air New Zealand plant laut blick.ch die Stornierung von rund 1.100 Flügen bis Mitte Mai, Cathay Pacific hat ihre Treibstoffzuschläge auf allen Routen verdoppelt, Thai Airways erhöhte die Preise um bis zu 15 Prozent.
Längere Routen treiben Kosten zusätzlich
Neben dem reinen Preisanstieg für Kerosin kommt ein weiterer Faktor hinzu: Luftraumsperren über dem Nahen Osten zwingen viele Airlines, längere Umwegstrecken zu fliegen. Wie urlaubspiraten.de erklärt, bedeutet das mehr Treibstoffverbrauch pro Flug — und damit nochmals höhere Kosten. Als die drei großen Golf-Airlines Emirates, Qatar und Etihad Anfang März ihren Betrieb drastisch einschränken mussten, fehlten plötzlich 14 Prozent des globalen Umsteigeverkehrs — Kapazität, die sich seither auf andere Verbindungen verteilt und dort die Preise treibt.
Kurz gesagt: Wer flexibel ist und früh bucht, findet noch gute Angebote. Wer wartet, zahlt — wahrscheinlich deutlich mehr.
Quellen:
- exxpress.at: Airlines warnen: Flugtickets werden sich stark verteuern
- airliners.de: Iran-Krieg treibt Kerosinpreise – Airlines reagieren unterschiedlich
- airliners.de: United Airlines reduziert Kapazitäten um fünf Prozent wegen Iran-Krieg
- Business Insider Deutschland: Weniger und teure Flüge wegen Iran-Krieg
- Euronews: Iran-Krieg verteuert Kerosin: Airlines erhöhen Preise, kürzen Flüge
- blick.ch: Wegen Spritpreis: United Airlines dampft Flugplan massiv ein
- urlaubspiraten.de: Warum ihr jetzt schnell eure Flüge für 2026 buchen solltet
- IATA Fuel Monitor (via urlaubspiraten.de)
- Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (via businessinsider.de)
Credits: Von Felix Gottwald – www.felixgottwald.net (Derzeit befinden sich 21 Bilder in meiner Kategorie) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51314200
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