Der Tankstellenpreis schockt — doch ein erheblicher Teil davon landet gar nicht bei Ölkonzernen oder Tankstellen, sondern direkt beim Staat. Und seit Beginn des Iran-Kriegs kassiert der Finanzminister noch kräftiger mit.
Drei Abgaben, ein System
Wie exxpress.at auf Basis von ÖAMTC-Daten und Berechnungen der Denkfabrik Agenda Austria erläutert, setzt sich der Spritpreis an der Zapfsäule aus drei staatlichen Abgaben zusammen: der Mineralölsteuer, der CO2-Abgabe und der Mehrwertsteuer.
Wie der ÖAMTC dokumentiert, betragen die fixen Abgaben pro Liter Benzin 48,2 Cent Mineralölsteuer sowie 15 Cent CO2-Bepreisung inklusive Mehrwertsteuer — für Diesel sind es 39,7 Cent Mineralölsteuer und 16,5 Cent CO2-Abgabe. Wie finfo.at berichtet, lag der Steueranteil am Zapfsäulenpreis Anfang 2025 bei Benzin bei rund 55 Prozent, bei Diesel bei rund 50 Prozent. Dazu kommt der entscheidende Mechanismus: Die 20-prozentige Mehrwertsteuer wird nicht nur auf den Nettopreis, sondern auf den gesamten Endpreis berechnet — also auch auf die Mineralölsteuer und die CO2-Abgabe. Der Staat besteuert damit seine eigenen Steuern.
Unterm Strich, wie exxpress.at berichtet, fließen beim aktuellen Preisniveau rund 90 Cent pro Liter Benzin und rund 86 Cent pro Liter Diesel direkt an den Staat.
Seit dem Iran-Krieg: Automatischer Extragewinn für den Fiskus
Die Preise sind seit Anfang März regelrecht explodiert: Wie exxpress.at mit Daten von E-Control dokumentiert, kostete ein Liter Super am 1. März noch rund 1,49 Euro und Diesel rund 1,55 Euro — unmittelbar vor Ausbruch des Iran-Kriegs. Aktuell liegt Benzin im Durchschnitt bei rund 1,76 Euro, Diesel bei rund 1,96 Euro. Das entspricht einem Anstieg von rund 27 Cent bei Benzin und 41 Cent bei Diesel.
Der Effekt für die Staatskasse: Während Mineralölsteuer und CO2-Abgabe fixe Beträge pro Liter sind und damit nicht automatisch mit dem Preis steigen, wächst die Mehrwertsteuer proportional zum Endpreis. Wie nachrichten.at unter Berufung auf Agenda Austria berichtet, bedeutet eine Preissteigerung von 20 Cent pro Liter zusätzliche Steuereinnahmen von 1,3 Cent pro Liter — multipliziert über den Gesamtverbrauch ergibt das eine beträchtliche Summe. Wie exxpress.at auf Basis einer Modellrechnung ausführt, kassiert der Staat aktuell rund 636 Millionen Euro pro Monat über Benzin und Diesel, vor dem Iran-Krieg waren es rund 590 Millionen — ein monatliches Plus von 46 Millionen Euro, ohne dass die Politik dafür etwas tun musste.
Was ohne Steuern übrig bliebe
Zur Verdeutlichung: Wie exxpress.at vorrechnet, würde Benzin ohne alle Abgaben aktuell nur noch rund 86 Cent kosten, Diesel rund 1,10 Euro — deutlich weniger als der Preis vor Kriegsbeginn. Das zeigt: Ein Großteil des Preisschocks an der Zapfsäule ist kein Marktphänomen, sondern Steuerpolitik.
Das Momentum Institut weist allerdings auf einen gegenläufigen Effekt hin: Mit steigendem Benzinpreis sinkt der Steueranteil in Prozent — weil Mineralöl- und CO2-Steuer fixe Cent-Beträge bleiben, während der Nettpreis steigt. Bei einem Dieselpreis von 2 Euro machen Steuern noch rund 44 Prozent aus, bei 1,50 Euro wären es 53 Prozent.
Spritpreisbremse: Was wirklich ankommt
Die angekündigte Entlastung von 10 Cent pro Liter gliedert sich in zwei Teile: 5 Cent kommen von der Mineralölsteuersenkung, weitere 5 Cent sollen durch die Margenbegrenzung entlang der Wertschöpfungskette erzielt werden. Wie exxpress.at festhält, ist der erste Teil garantiert — der zweite hängt vom Markteingriff ab und ist weniger sicher.
Kanzler Christian Stocker (ÖVP) begründet den Schritt laut verkehrsrundschau.de klar: „Der Staat darf nicht zum Krisenprofiteur werden.“ ÖAMTC und ARBÖ begrüßen das Paket, erwarten sich aber mehr. Wie news.at berichtet, hält ÖAMTC-Verkehrswirtschaftsleiter Martin Grasslober fest: „Angesichts der aktuellen Spritpreise ist das letztlich kein großer Wurf.“ Die Agenda Austria kritisiert den Margendeckel als „schlampigen Populismus“ und fordert eine dauerhafte, strategische Steuersenkung.
Quellen:
- exxpress.at: So viel kassiert der Staat bei jedem Liter Sprit wirklich (18.3.2026)
- ÖAMTC (oeamtc.at): Mineralölsteuer & CO2-Bepreisung; Neuerungen 2026
- nachrichten.at: Spritpreise steigen: Ein Schock für die Autofahrer, ein Geschäft für den Staat (9.3.2026)
- finfo.at: Mineralölsteuer (MÖStG) in Österreich 2026
- Momentum Institut (momentum-institut.at): Spritpreise: Steuern bei Preissteigerung nicht ausschlaggebend
- finanz.at: Teure Benzin- & Dieselpreise — Karte zeigt aktuell günstigste Tankstellen
- verkehrsrundschau.de: Österreich plant Senkung der Mineralölsteuer: Auswirkungen auf Spritpreise (18.3.2026)
- news.at: Treibstoffe: Regierung plant Maßnahmen gegen Preisanstieg
Neueste Kommentare