Exxtra24 Herausgeber Posset: Bablers Reformstudie zur Medienförderung – Teuer, wenig neues mit viel Recycling

Exxtra24 Herausgeber Posset: Bablers Reformstudie zur Medienförderung – Teuer, wenig neues mit viel Recycling

Vizekanzler Bablers Ministerium zahlte 93.600 Euro für eine Studie zur Reform der Medienförderung. Medienökonom und exxtra24-Herausgeber Markus Posset rechnet nach — und kommt zu einem vernichtenden Urteil: Der Marktpreis hätte bei 35.000 bis 40.000 Euro gelegen. Und inhaltlich? Großteils bekannte Positionen in neuem Gewand.

„Die Studie ist weniger eine unabhängige Analyse als vielmehr ein politisches Positionspapier mit wissenschaftlichem Anstrich“ – zu diesem Schluss kommt exxtra24-Herausgeber Markus Posset. Der Medienökonom, der auch Autor des Bestsellers und modernen Standardwerks für Universitäten „Medienökonomie“ im Springer Gabler Verlag ist, sieht auch die Kosten kritisch: Diese lägen seiner Einschätzung nach bei rund 35.000 bis 40.000 Euro – für ein Ergebnis, das inhaltlich wenig Überraschendes liefert. Bablers Ministerium bezahlte 93.600 Euro – zusätzlich soll es auch einige Kritikpunkte bei der Ausschreibung gegeben haben, wie andere Medien berichteten.

Nicht neu, nicht originell

Im Zentrum der Studie steht die Forderung, künftig nicht mehr Medienunternehmen, sondern „Journalismus als demokratische Infrastruktur“ zu fördern. Dieser Ansatz entspricht allerdings einem längst etablierten internationalen Diskurs und ist in der Medienökonomie seit Jahren bekannt. Neu ist daran wenig.

Vielmehr verdichtet die Studie bestehende Argumentationslinien und präsentiert sie als Grundlage für ein umfassendes Reformmodell. Dieses umfasst unter anderem eine Basisförderung für Journalismus, zusätzliche Mittel für Innovation und Digitalisierung sowie eine unabhängige Vergabekommission. Inhaltlich ist das konsistent – aber nicht originell.

Theoretische Grundlagen

Besonders auffällig ist der Umgang mit den theoretischen Grundlagen. Definitionen von Journalismus, Qualitätskriterien und zentrale Begriffe sind größtenteils aus bestehender Forschung übernommen oder eng daran angelehnt. Teilweise werden Formulierungen nahezu identisch aus früheren Publikationen übernommen, insbesondere aus Arbeiten desselben wissenschaftlichen Umfelds. Zwar werden die entsprechenden Quellen meist korrekt angegeben, ein klassisches Plagiat liegt daher nicht vor. Dennoch entsteht der Eindruck, dass der theoretische Unterbau weniger das Ergebnis neuer Forschung ist, als vielmehr eine Wiederverwertung bereits etablierter Konzepte.

Auch die empirische Basis der Studie wirft Fragen auf. Zentrale Aussagen zur Entwicklung des Journalismus in Österreich greifen teilweise auf ältere Daten zurück oder basieren auf Hochrechnungen. Die Autoren räumen selbst ein, dass aktuelle, umfassende Erhebungen fehlen. Gleichzeitig werden daraus weitreichende Schlussfolgerungen für die Zukunft des Mediensystems abgeleitet. Die Diagnose mag plausibel sein – vollständig abgesichert ist sie nicht.

Das strukturelle Problem

Die Studie ist klar normativ ausgerichtet. Sie will nicht nur analysieren, sondern aktiv gestalten. Das ist für eine politikberatende Untersuchung grundsätzlich legitim, führt aber dazu, dass Analyse und politisches Ziel ineinanderfließen. Kritische Gegenpositionen oder alternative Modelle werden nur am Rande behandelt. Der Eindruck einer vorab feststehenden Richtung drängt sich auf.

Unterm Strich bleibt ein zwiespältiges Bild. Die Studie bietet eine kompakte Zusammenfassung der aktuellen medienpolitischen Debatte und liefert einen durchdachten Reformvorschlag. Gleichzeitig fehlt es an wissenschaftlicher Distanz, aktueller Datentiefe und vor allem an origineller Erkenntnis.

Für die politische Diskussion mag das Papier ein brauchbarer Ausgangspunkt sein. Als unabhängige, neue Grundlage für weitreichende Reformentscheidungen reicht es jedoch kaum aus.

Link zur Studie: 

https://www.bmwkms.gv.at/dam/jcr:7d576ee5-bd09-45a0-95a6-ebce780d8028/Journalismusfoerderung_in_OE_Studie_von_MHW.pdf

Credits: APA

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