Er war jahrelang einer der bekanntesten Gesichter im österreichischen Fernsehen — und hat jetzt einiges zu sagen. Reinhard Jesionek, Romy-Preisträger und langjähriger ORF-Moderator, hat in einem Interview mit exxpressTV schwere Vorwürfe gegen seinen früheren Arbeitgeber erhoben. Von gezielter Angstmache bis hin zu internen Machtkämpfen um Millionen.
Wer ist Reinhard Jesionek?
Reinhard Jesionek, Jahrgang 1964, war von 1983 bis 2000 beim ORF tätig, unter anderem als Live-Präsentator des Vorabendmagazins „Willkommen Österreich“ und als Moderator auf Ö3. Im Jahr 2000 wurde er mit dem österreichischen Film- und Fernsehpreis Romy als beliebtester Magazinmoderator ausgezeichnet, wie Wikipedia festhält. Bis 2021 war er — wenn auch mit Unterbrechungen — weiterhin für den ORF aktiv, zuletzt noch 2020 als Moderator der ORF2-Serie „Digitales Österreich“. Damit hat er über Jahrzehnte Einblick in die Strukturen des Senders gewonnen.
„Der ORF hat auf die Angstschiene gedrückt“
Im Interview mit exxpressTV erhebt Jesionek klare Vorwürfe zur redaktionellen Linie des Senders. Spätestens in der Corona-Zeit sei der ORF „entgleist“, so der Ex-Moderator laut exxpress.at. Bilder von Intensivpatienten, kombiniert mit täglich eingeblendeten Fallzahlen, hätten beim Publikum gezielt Angst erzeugt — statt nüchtern zu informieren. Es handelt sich dabei um Jesioneks persönliche Einschätzung, die er im Rahmen eines Meinungsinterviews äußert.
Noch schärfer wird der Ex-Moderator bei der politischen Ausrichtung des Senders: Im ORF gebe es seit Langem einen Grundreflex — „Die FPÖ muss verhindert werden.“ Ironischerweise, so Jesioneks Analyse, schlage dieser Kurs ins Gegenteil um: Wer Zuschauer belehre und politisch missioniere, treibe viele am Ende genau dorthin, wo man sie nicht haben wolle. „Der ORF ist eine Werbetrommel für den Herrn Kickl“, lautet seine pointierte Zusammenfassung — womit er meint, dass die einseitige Berichterstattung die FPÖ stärke, statt sie zu schwächen.
Machtkampf hinter den Kulissen — und 2,4 Millionen Euro
Besonders brisant sind Jesioneks Einschätzungen zur aktuellen Krise rund um den zurückgetretenen ORF-Generaldirektor Roland Weißmann. Wie exxpress.at berichtet, sieht Jesionek hinter Weißmanns Abgang einen eskalierten internen Machtkampf, in dessen Zentrum ORF-Manager Pius Strobl stehe. Laut Jesioneks Darstellung habe Strobl eine Sonderzahlung in Höhe von 2,4 Millionen Euro zum Pensionsantritt durchsetzen wollen — ein Betrag, der auch durch Medienberichte bestätigt ist. Die kaufmännische ORF-Direktorin Eva Schindlauer hatte den Betrag in einer Stiftungsratssitzung selbst bestätigt, wie profil.at berichtete. Jesionek sieht darin ein Symptom eines tiefgreifenden Problems: „Diese ganze Führungsebene im ORF agiert, als wäre das ihr Privatbetrieb.“
Haushaltsabgabe als Vertrauensbruch
Für Jesionek endet das Problem nicht beim Sender selbst. Nach der aus seiner Sicht einseitigen Berichterstattung sei mit der Einführung der Haushaltsabgabe — die seit 2024 die frühere GIS-Gebühr ersetzt — ein weiterer Bruch eingetreten. Viele Österreicher müssten nun einen Sender finanzieren, dem sie kein Vertrauen mehr entgegenbringen: „Die Leute müssen für etwas zahlen, was viele nicht mehr wollen.“
Reform statt Abschaffung
Trotz seiner massiven Kritik plädiert Jesionek nicht für die Abschaffung des ORF, sondern für einen radikalen Umbau. Er fordert die Privatisierung von ORF 1 und Ö3 — Letzterer sei ohnehin eine „reine Cash Cow“. Stattdessen solle sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk auf Information, Bildung und österreichische Inhalte konzentrieren. Als positives Beispiel nennt er ORF 3, wo der öffentlich-rechtliche Auftrag noch erkennbar sei. Was ihm im Hauptprogramm fehlt: echte Ausgewogenheit und Debatten mit klar konträren Positionen.
Bei allen Aussagen gilt: Es handelt sich um die persönlichen Einschätzungen und Bewertungen von Reinhard Jesionek, die er in einem Meinungsinterview geäußert hat und die seine subjektive Sichtweise auf den ORF widerspiegeln.
Quellen:
- exxpress.at: Chaos am Küniglberg: Ex-ORF-Star spricht von Intrigen und Millionen-Zoff
- Wikipedia: Reinhard Jesionek
- profil.at: Am Schauplatz Küniglberg: Untersuchung der Compliance-Stelle hat begonnen
- derStandard.at: Abserviert: Jesionek vom ORF enttäuscht (Hintergrund zur Biografie)
- Neue Debatte / idealismprevails.at: Medienrevolution jetzt: Ein Gespräch mit Ex-ORF-Moderator Reinhard Jesionek (Hintergrund)
Credits: APA
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