Ex-ORF-Chef Weißmann fordert Millionen: Ein Rechtsstreit, der den ORF erschüttert

Ex-ORF-Chef Weißmann fordert Millionen: Ein Rechtsstreit, der den ORF erschüttert

Der ehemalige ORF-Generaldirektor Roland Weißmann sorgt mit einer Klage gegen seinen früheren Arbeitgeber für Schlagzeilen. Nach seinem Rücktritt im März 2026 fordert er nun satte 3,9 Millionen Euro Schadenersatz – und seinen Job zurück. Doch was steckt hinter diesem spektakulären Fall?

Rücktritt unter Druck: Weißmann packt aus

Weißmann, der sich erstmals öffentlich zu den Vorwürfen äußerte, spricht von massivem Druck, der ihn zum Rücktritt gezwungen habe. „Es wurde mir gesagt, dass es egal sei, ob die Vorwürfe stimmen oder nicht. Der Schaden bei einer Veröffentlichung wäre genug“, erklärte er gegenüber Medien. Die Vorwürfe, die sich um angebliche sexuelle Belästigung drehten, wurden laut einer Compliance-Untersuchung jedoch entkräftet. Dennoch hielt der ORF an der Kündigung fest – ein Schritt, der Weißmanns Anwalt Oliver Scherbaum als „Motivkündigung“ bezeichnet.

Millionenforderungen im Detail

Die geforderte Summe setzt sich aus mehreren Posten zusammen: 350.000 Euro für die verbleibende Vertragslaufzeit, 2,3 Millionen Euro für eine entgangene zweite Amtsperiode, 250.000 Euro aus Pensionsansprüchen und 1 Million Euro Schadenersatz. Weißmann argumentiert, dass er ohne die Vorwürfe mit hoher Wahrscheinlichkeit für eine zweite Amtszeit gewählt worden wäre.

ORF in der Kritik: „Anschein“ als Kündigungsgrund?

Die interimistische ORF-Chefin Ingrid Thurnher begründete die Kündigung mit dem „Anschein unangemessenen Verhaltens“. Doch genau dieser Begriff sorgt für Diskussionen. Arbeitsrechtsexperten wie Katharina Körber-Risak kritisieren die Vorgehensweise des ORF-Stiftungsrats scharf. „Der Anschein ist kein juristischer Begriff“, so Scherbaum. Zudem habe der ORF durch die voreilige Veröffentlichung der Vorwürfe gegen seine Fürsorgepflicht verstoßen.

Interne Spannungen und politische Dimensionen

Die Causa Weißmann hat auch innerhalb des ORF für Unruhe gesorgt. Der Redaktionsausschuss sprach mehreren Stiftungsräten, darunter Heinz Lederer und Gregor Schütze, das Misstrauen aus. Ihnen wird vorgeworfen, die Vorwürfe ungeprüft öffentlich gemacht zu haben. Auch politisch könnte der Fall weitreichende Folgen haben, da Forderungen nach einer Reform des Stiftungsrats laut werden.

Ein langer Rechtsstreit zeichnet sich ab

Weißmann zeigt sich entschlossen, den Fall vor Gericht auszutragen. „Wir werden das durchexerzieren“, kündigte er an. Ein außergerichtlicher Vergleich scheint derzeit unwahrscheinlich. Sollte Weißmann Erfolg haben, könnten die finanziellen Folgen für den ORF – und damit für die Gebührenzahler – erheblich sein.

Quellen: oe24.at, heute.at, krone.at, orf.at, kurier.at, weekend.at
Credits: APA

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