Eine Kaufentscheidung mit gewaltiger Signalwirkung: Die deutsche Bundesregierung plant, 15 weitere F-35-Tarnkappenjets des US-Rüstungskonzerns Lockheed Martin zu bestellen. Damit würde die ursprünglich vorgesehene Flotte von 35 auf 50 Flugzeuge anwachsen.
Wie das News-Portal Politico unter Berufung auf mehrere informierte Quellen berichtet, laufen die Verhandlungen zwischen Berlin und Washington bereits, bislang allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der mögliche Zusatzkauf markiert einen bemerkenswerten Kurswechsel: Noch vor wenigen Jahren hatte sich Deutschland ausdrücklich zum europäischen Luftkampfsystem FCAS (Future Combat Air System) bekannt, einem Prestigeprojekt in Kooperation mit Frankreich und Spanien, das die technologische Unabhängigkeit Europas sichern soll. Doch das Projekt ist ins Stocken geraten, zuletzt wegen Industriekonflikten zwischen französischen und deutschen Partnern. Besonders die Forderung französischer Hersteller, 80 Prozent der Schlüsseltechnologien kontrollieren zu dürfen, sorgt in Berlin für Unmut.
„Diese Frage wird uns in den nächsten Monaten weiter beschäftigen“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz am Mittwoch bei einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte in Berlin. Die Meinungsverschiedenheiten über die Aufteilung der Entwicklungsarbeit seien „noch nicht gelöst“, so Merz.
F-35: Technische Details und Kosten
Die F-35A Lightning II ist ein fünfte Generation Mehrzweck-Kampfjet mit Stealth-Technologie, entwickelt für Luftüberlegenheit, Bodenangriffe und elektronische Kriegsführung. Sie verfügt über:
- Höchstgeschwindigkeit: Mach 1.6 (ca. 1930 km/h)
- Reichweite: 2200 Kilometer (ohne Luftbetankung)
- Bewaffnung: interne Waffenbucht (u.a. AIM-120 AMRAAM, JDAM, B61-12 Atombombe), externe Träger optional
- Radar: AN/APG-81 AESA-Radar für Luft-/Bodenüberwachung
- Sensorik: Distributed Aperture System (DAS), Infrarot- und Nachtsichtsysteme
- Stealth-Bauweise: Reduzierte Radar- und Infrarotsignatur
Für Deutschland besonders relevant: Der Jet ist atomwaffenfähig – und geeignet, die in Büchel stationierten US-Atombomben vom Typ B61-12 im Rahmen der NATO-Nuklearstrategie zu tragen.
Die Kosten pro Flugzeug liegen inklusive Systemintegration, Ersatzteilen und Ausbildung bei 120 bis 140 Millionen Euro. Die Gesamtkosten für 50 Jets könnten also auf mehr als 6 Milliarden Euro steigen. Die ersten Maschinen sollen 2027 einsatzbereit sein.
Warum die Entscheidung jetzt kommt
Bereits 2022 hatte Deutschland als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine den Kauf von 35 F-35 beschlossen. Pläne zur Erweiterung um acht weitere Jets wurden damals intern diskutiert, aber nicht umgesetzt. Nun wächst der Druck, eine absehbare Fähigkeitslücke bei der Luftwaffe zu schließen, insbesondere im Bereich der nuklearen Teilhabe. Da FCAS frühestens 2029 mit einem Erstflug rechnet, setzt Berlin auf eine bewährte Übergangslösung.
Der Schritt birgt politischen Sprengstoff: Frankreich dürfte die Erweiterung der US-Beteiligung als Affront werten. Präsident Emmanuel Macron hat mehrfach auf europäische „Souveränität in Verteidigungsfragen“ gepocht. Ein bilaterales Spitzentreffen zwischen Merz (APA-Bild unten) und Macron ist für Ende Juli in Berlin geplant – das Thema FCAS und die F-35-Entscheidung werden zentrale Themen sein.
Auch Verteidigungsminister Boris Pistorius wird in den kommenden Tagen in Washington erwartet, wo er mit seinem US-Amtskollegen Pete Hegseth zusammentrifft.

Credits: APA
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