Brüssel bereitet eine Millionenstrafe gegen Google vor. Das Problem: Der Zeitpunkt könnte den laufenden Zollpoker mit den USA torpedieren – und Washington droht bereits mit Gegenschlägen.
Google hat schon reagiert – bevor die Strafe kam
Wer in den vergangenen Wochen per Google nach einem Flug suchte, hat es vielleicht bemerkt: Google Flights ist nicht mehr ganz oben. Wie der Kurier berichtete, hat der Konzern sein hauseigenes Flugangebot bereits in ein kleineres Kästchen weiter unten verbannt – offenbar als präventive Reaktion auf eine sich seit Längerem ankündigende Attacke aus Brüssel. Wie das Handelsblatt berichtete, bereitet die EU-Kommission eine Strafe gegen Alphabet im Bereich von mehreren Hundert Millionen Euro vor. Brüssel hält sich dazu auf Anfrage des Kurier bislang völlig bedeckt.
Was der DMA verlangt – und warum Google im Visier ist
Grundlage der geplanten Strafe sind laut Kurier Verstöße gegen den Digital Markets Act, kurz DMA. Das EU-Gesetz soll verhindern, dass marktbeherrschende Digitalkonzerne ihre Position nutzen, um Konkurrenten zu verdrängen. Der Vorwurf gegen Google: Das Unternehmen habe eigene Dienste wie Google Shopping, Google Flights oder Google Hotels in den Suchergebnissen systematisch bevorzugt. Wie der Kurier berichtete, haben bereits Apple und Meta wegen ähnlicher DMA-Verstöße Strafen in der Höhe von Hunderten Millionen Euro kassiert – Apple wegen Beschränkungen fremder Apps auf seinen Geräten, Meta wegen seiner Werbepraktiken. Beide Konzerne haben laut Kurier Berufung eingelegt.
X unter DSA-Beschuss – Strafen bis zu zehn Prozent Jahresumsatz
Wie der Kurier berichtete, laufen parallel mehrere weitere Verfahren gegen US-Digitalriesen – sowohl auf Basis des Kartellrechts als auch des zweiten großen EU-Digitalgesetzes, dem Digital Services Act. Der DSA verpflichtet Plattformen zum Schutz von Kindern und zur Bekämpfung von sexuellem Missbrauch online. X ist laut Kurier wegen DSA-Verstößen bereits angeklagt. Wie heise online und der Irish Times berichteten, hatte die EU X im Dezember 2025 bereits mit 120 Millionen Euro gestraft.
Die möglichen Strafsummen sind gewaltig: DMA und DSA erlauben laut Kurier Bußgelder von bis zu zehn Prozent des globalen Jahresumsatzes – bei Google mit rund 400 Milliarden Euro Jahresumsatz wären das theoretisch bis zu 40 Milliarden Euro.
Trump droht mit Gegenzöllen bis zu 100 Prozent
Die Trump-Regierung begreift die EU-Strafen als mutwillig verhängte Zölle auf amerikanische Unternehmen und droht ihrerseits mit Gegenzöllen von bis zu 100 Prozent, wie der Kurier berichtete. Die EU-Kommission reagiert darauf laut Kurier mit spürbarer Zurückhaltung – aus Sicht von Kritikern im EU-Parlament sogar mit zu viel Zurückhaltung.
Das eigentliche Dilemma: Strafe vs. Zollabkommen
Genau jetzt, da sich Brüssel und die EU-Staaten laut Kurier auf die Details eines Zollabkommens mit den USA geeinigt haben, könnte eine Millionenstrafe gegen Google den mühsam erarbeiteten Vertragsabschluss mit Washington gefährden. Wie das Handelsblatt berichtete, hatte Kommissionspräsidentin von der Leyen die fertig ausgearbeitete Google-Strafe im März 2026 auf Drängen aus Washington bereits einmal kurzfristig aufgeschoben. Nun soll die Entscheidung vor der Sommerpause fallen – in einem geopolitischen Umfeld, das kaum heikler sein könnte. US-Außenminister Marco Rubio hat laut Kurier sogar mit dem NATO-Austritt der USA gedroht, sollte Europa weiter Druck auf amerikanische Konzerne ausüben.
Credits: APA
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