EU-Parlament stimmt über Nackt-Deepfakes und Fleischbegriffe ab

EU-Parlament stimmt über Nackt-Deepfakes und Fleischbegriffe ab

Diese Woche tagt das EU-Parlament in Straßburg — und auf der Tagesordnung stehen zwei Themen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: ein Verbot von KI-Apps, die Menschen ungefragt digital ausziehen, und die Frage, ob ein Veggie-Burger noch Burger heißen darf.

Nudifier-Verbot: 569 zu 45

Das Problem ist real und wächst. Laut einer Studie von Security Hero, wie Euronews berichtet, macht Deepfake-Pornografie 98 Prozent aller Deepfakes im Internet aus — 94 Prozent der Betroffenen sind Frauen. Sogenannte Nudifier-Apps verwenden generative KI, um aus normalen Fotos täuschend echte Nacktbilder zu erstellen — ohne Wissen oder Zustimmung der abgebildeten Personen.

Das EU-Parlament hatte bereits im März mit überwältigender Mehrheit für ein Verbot solcher Systeme gestimmt — 569 Ja-Stimmen, 45 Nein-Stimmen, 23 Enthaltungen, wie heise.de berichtet. Nun folgt am Dienstag die finale Abstimmung im Plenum im Rahmen des sogenannten Digital Omnibus — einer Anpassung des EU-KI-Gesetzes.

Wie das Europäische Parlament auf seiner Website dokumentiert, soll das Verbot für alle Anbieter gelten, die KI-Systeme bereitstellen, mit denen sexuell explizite Bilder ohne Zustimmung der abgebildeten Person erstellt oder manipuliert werden können. Unternehmen bekommen bis 2. Dezember 2026 Zeit zur Umsetzung. Ausgenommen sind laut netzpolitik.org nur Systeme mit wirksamen technischen Sicherheitsbarrieren, die eine Generierung solcher Inhalte verhindern.

Direkt im Visier: Elon Musks KI-Chatbot Grok, gegen den die EU-Kommission laut notebookcheck.com bereits seit Jänner 2026 ein Ermittlungsverfahren wegen möglicher Verstöße gegen den Digital Services Act führt.

Nur echtes Fleisch darf Fleisch heißen

Ebenfalls am Dienstag stimmt das Parlament über neue Bezeichnungsregeln für Lebensmittel ab. Wie oe24.at berichtet, soll künftig klar definiert werden, was als „Fleisch“ bezeichnet werden darf — nämlich ausschließlich tierische Produkte. Die Liste umfasst Rind, Kalb, Schwein, Geflügel, Lamm, Ziege sowie spezifische Teilstücke wie Filet, Lende, Steak, Ribeye oder T-Bone.

Hintergrund ist ein älterer Parlamentsbeschluss aus dem Vorjahr, der Bezeichnungen wie „Veggie-Burger“ oder „Gemüse-Schnitzel“ ursprünglich verbieten wollte — weil diese Namen tierischen Produkten vorbehalten sein sollten. Wie oe24.at berichtet, wurde dieser Ansatz in den weiteren Verhandlungen abgeschwächt. Die Abstimmung diese Woche betrifft eine Agrarmarktreform, die das Einkommen von Landwirten schützen soll.

EINORDNUNG DER REDAKTION
Die beiden Themen illustrieren, womit sich die EU dieser Tage beschäftigt: digitale Gewalt gegen Frauen auf der einen Seite, Bezeichnungsstreit zwischen Fleischlobby und Veggie-Industrie auf der anderen. Das Nudifier-Verbot ist längst überfällig — die Technologie ist der Gesetzgebung seit Jahren voraus. Die Fleisch-Abstimmung ist politisch weniger dringlich, aber wirtschaftlich relevant: Für die Lebensmittelindustrie hängt an der Frage, ob ein Produkt „Burger“ heißen darf, eine Menge Geld.

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