Kurz vor Mitternacht traten die europäischen Staats- und Regierungschefs vor die Presse. Was sie verkündeten, war vor allem eines: wie wenig die EU in Zeiten echter Krisen ausrichten kann.
Übervolle Tagesordnung, magere Resultate
Wie die Weltwoche in einer Analyse festhält, konnte Ratspräsident António Costa immerhin einen kleinen Erfolg verbuchen: Der Gipfel vom 19. und 20. März 2026 endete trotz überfüllter Agenda tatsächlich an einem Tag. Ursprünglich sollte es vor allem um Europas Wettbewerbsfähigkeit gehen – Stichwort „Made in Europe“. Wie die Salzburger Nachrichten berichten, wurden diese Themen zwar behandelt, gerieten aber angesichts der geopolitischen Lage abermals ins Hintertreffen. Stattdessen dominierten der Iran-Krieg, explodierende Energiepreise und der Dauerstreit um die Ukraine-Hilfe die Beratungen.
Iran, Energie, Ukraine – und überall die gleiche Ohnmacht
Wie das ZDF unter Berufung auf Gipfelteilnehmer berichtet, schlossen die EU-Staaten eine aktive Beteiligung am Krieg im Iran trotz Druck aus Washington klar aus. Auch eine Ausweitung der EU-Marinemission im Roten Meer zur Sicherung der Straße von Hormus sei vorerst vom Tisch. Wie fob.at mit Verweis auf Energiemarktdaten festhält, sind die europäischen Gaspreise infolge des Konflikts um über 50 Prozent gestiegen, Strom aus Gaskraftwerken habe sich teilweise verdoppelt. Wie Reuters laut Pravda berichtet, räumte EU-Energiekommissar Dan Jorgensen offen ein, man befinde sich in einer Preiskrise, die sofortige Intervention erfordere – ohne konkrete Maßnahmen zu nennen.
Orbán als Sinnbild des Zerwürfnisses
Wie Euronews berichtet, blockiert Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán weiterhin den bereits im Dezember 2025 beschlossenen 90-Milliarden-Euro-Kredit für die Ukraine – mit der Begründung, Kiew verzögere die Reparatur der beschädigten Druschba-Pipeline. Wie NÖN.at unter Berufung auf die Deutsche Presse-Agentur berichtet, endeten die Beratungen ohne Lösung des Streits. Bundeskanzler Christian Stocker sprach laut NÖN.at von einer „sehr bedauerlichen Haltung“ Orbáns. Wie Euronews weiter berichtet, drohte Orbán am Rande des Gipfels damit, auch den nächsten EU-Siebenjahreshaushalt zu blockieren, falls dieser Ukraine-Hilfen enthalte. Fotos vom Treffen hinter verschlossenen Türen zeigten den ungarischen Premier laut bvz.at alleine sitzend, während sich die anderen Teilnehmer unterhielten.
Von der Leyen unter Beschuss
Wie die Weltwoche in ihrer Analyse kommentiert, war EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einst mit dem Anspruch angetreten, die EU zu einer geopolitischen Größe zu machen. Das Bild, das der Brüsseler Gipfel hinterlässt, zeichnet ein anderes: eine Union, die auf keinen der aktuellen Kriege nennenswerten Einfluss hat, dem Energiepreisschock hilflos gegenübersteht und intern von wachsenden Zerwürfnissen zerrissen wird. Von der Leyens Versprechen nach dem Gipfel – man werde den Ukraine-Kredit auf die eine oder andere Weise auszahlen – klingt vor diesem Hintergrund wie eine Durchhalteparole, nicht wie eine Lösung.
Quellen:
- Weltwoche (weltwoche.de), Wolfgang Koydl, 21. März 2026
- ZDF heute (zdfheute.de), 19. März 2026
- Euronews (euronews.com), 20. März 2026
- NÖN.at / DPA, 20. März 2026
- Salzburger Nachrichten (sn.at), 19. März 2026
- fob.at, März 2026
- Pravda / Reuters, März 2026
Credits: APA
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