In einer langen Nachtsitzung haben sich die Unterhändler der EU auf ein neues, ambitioniertes Klimaziel für das Jahr 2040 geeinigt. Der Ausstoß von Treibhausgasen soll bis dahin um ganze 90 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 reduziert werden. Damit ist eine weitere wichtige Etappe auf dem Weg zur Klimaneutralität der Union bis 2050 festgelegt. Doch der Kompromiss hat es in sich und wurde im Vergleich zum ursprünglichen Vorschlag deutlich aufgeweicht.
Harte Verhandlungen und ein abgeschwächter Plan
Grundlage für die Entscheidung war ein Vorschlag der Europäischen Kommission, der jedoch auf erheblichen Widerstand stieß. Angesichts wirtschaftlicher Sorgen und einer angespannten geopolitischen Lage bremsten einige EU-Staaten die ursprünglichen Pläne. Das Ergebnis ist ein Kompromiss, der den 27 Mitgliedsländern nun einigen Spielraum gewährt. EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra sprach von einer Einigung, die „pragmatisch und ambitioniert“ sei und Tempo, Vorhersehbarkeit sowie Flexibilität liefere.
Tanken und Heizen: Teuerung kommt später
Eine wichtige Nachricht für alle Verbraucher: Die befürchtete Preisexplosion beim Tanken und Heizen wird vorerst aufgeschoben. Die Einbeziehung von Brennstoffen wie Benzin und Erdgas in den Emissionshandel, die ursprünglich für 2027 geplant war, wird nun auf 2028 verschoben. Damit soll verhindert werden, dass die Kosten für die Bürger kurzfristig zu stark ansteigen.
Klimaschutz im Ausland: Ein umstrittenes Schlupfloch?
Besonders bemerkenswert ist eine neue Regelung, die es den Staaten erlaubt, einen Teil ihrer Klimaziele im Ausland zu erreichen. Ab 2036 können bis zu fünf Prozent der Reduktion durch den Kauf von Klimazertifikaten aus Nicht-EU-Ländern erzielt werden. Das bedeutet, dass Emissionsgutschriften für Projekte zur Kohlenstoffspeicherung außerhalb der EU gekauft und den eigenen Einsparungen angerechnet werden können. Kritiker befürchten, dass dies dazu führen könnte, dass Minderungen doppelt gezählt werden oder ärmere Länder ihre eigenen Klimaziele niedrig ansetzen, um Zertifikate an Europa zu verkaufen.
Grüne sehen „hart erkämpften Meilenstein“
Trotz der Abschwächungen gibt es auch positive Stimmen. Lena Schilling von den Grünen nannte die Einigung einen „hart erkämpften Meilenstein“. Sie betonte jedoch, dass es für das Erreichen des Ziels einen echten Kurswechsel in der EU brauche. Auch Linda Kalcher von der Denkfabrik Strategic Perspectives sieht ein positives Signal, das Klarheit für Investoren und Unternehmen schaffe und so Innovationen vorantreiben könne. Um sicherzustellen, dass die EU auf Kurs bleibt, soll die EU-Kommission alle zwei Jahre überprüfen, ob das 2040er-Ziel noch mit der Wettbewerbsfähigkeit Europas und wissenschaftlichen Erkenntnissen vereinbar ist.
Quellen: oe24.at, Europäische Kommission, Europäische Umweltagentur (EEA), Strategic Perspectives
Credits: APA
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