Die Sonnen-Inseln sind einfach überlastet: Auf den spanischen Kanarischen Inseln sind am Sonntag Tausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Auswirkungen des Massentourismus zu protestieren. Unter dem Motto „Canarias tiene un límite“ („Die Kanaren haben eine Grenze“) forderten die Demonstranten klare Beschränkungen für den Besucherstrom.
Die Proteste fanden nicht nur auf den Hauptinseln wie Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote und Fuerteventura statt, sondern auch in Städten auf dem spanischen Festland. Immer wieder wurde auf Plakaten und in Sprechchören auf Probleme wie Wohnungsnot, Verkehrschaos und überlastete Gesundheitssysteme hingewiesen. Auch die zunehmende Wasserknappheit war ein Thema.
Einheimische fühlen verdrängt
„Der Tourismus ist zweifellos ein zentraler Wirtschaftsfaktor für die Kanaren. Aber wir erleben hier einen völligen Kollaps“, sagte Juan Francisco Galindo, Hotelmanager auf Teneriffa, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Besonders bitter ist für ihn ein persönliches Beispiel: Auf dem Grundstück seines Vaters wurde 2023 eine Enteignung eingeleitet – zugunsten eines geplanten Luxushotelprojekts. „Die 70 Quadratmeter, die man ihm wegnehmen will, sind alles, was er besitzt. Seitdem hat sich sein Gesundheitszustand dramatisch verschlechtert“, so Galindo.
Nach offiziellen Zahlen besuchen derzeit monatlich über eine Million ausländische Touristen die Kanarischen Inseln – bei einer Gesamtbevölkerung von rund 2,2 Millionen. Spanien verzeichnete 2024 ein Rekordjahr beim Tourismus und rechnet für 2025 mit einem weiteren Anstieg der Besucherzahlen.
Infrastruktur überfordert – Wohnraum kaum leistbar
Seit den 1970er-Jahren habe sich die Zahl der Hotelbetten auf den Inseln verdreifacht, erklärt Galindo weiter. Die Folge: explodierende Mietpreise, verstopfte Straßen und ein überfordertes Gesundheitssystem – insbesondere in der Hochsaison. Viele Einheimische finden keinen bezahlbaren Wohnraum mehr, während Investoren weiterhin in touristische Großprojekte investieren.
Sirlene Alonso, Juristin und Bewohnerin von Gran Canaria, kritisierte die Regionalregierung scharf. Diese setze auf den Bau neuer Wohnungen statt auf eine Begrenzung der Touristenzahlen. „Es geht nicht um Qualität im Tourismus, sondern nur noch um Quantität. Die Masse der Touristen – und auch der Zugezogenen – erdrückt uns“, sagte sie.
Die kanarischen Regionalbehörden haben inzwischen angekündigt, in Brüssel finanzielle Unterstützung aus EU-Töpfen für bezahlbaren Wohnraum zu beantragen – insbesondere für entlegene Gebiete auf den Inseln. Ob dies jedoch die tieferliegenden Ursachen wie Spekulation, Flächenversiegelung und mangelnde Regulierung des Tourismusmarkts adressiert, bleibt fraglich.
Die Proteste auf den Kanaren sind Teil einer wachsenden Bewegung in Spanien: Auch auf Mallorca, in Barcelona oder Málaga hatten in den vergangenen Monaten zahlreiche Menschen gegen „Overtourism“ demonstriert.

Credits: APA
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