Ein historischer Vorfall über dem Baltikum: Rumänische F-16-Kampfjets haben am Dienstag eine Drohne über dem estnischen Võrtsjärv-See abgeschossen, die unerlaubt in den NATO-Luftraum eingedrungen war. Es ist das erste Mal, dass ein NATO-Kampfjet im Rahmen der Baltischen Luftraumüberwachung eine Drohne aktiv abschießt.
Drohne über dem Võrtsjärv-See vom Himmel geholt
Wie ORF.at und dpa-AFX berichten, wurde die Drohne zwischen dem Võrtsjärv-See und der Ortschaft Põltsamaa im Süden Estlands von einem rumänischen F-16 der „Carpathian Vipers“-Staffel abgeschossen, die laut aerotime.aero seit dem 1. April 2026 vom Luftwaffenstützpunkt Šiauliai in Litauen aus operiert. Die Trümmer stürzten laut estnischem Verteidigungsminister Hanno Pevkur in einem Sumpfgebiet nahe dem Dorf Kablaküla ab – die Suche nach Wrackteilen dauerte zum Zeitpunkt der Meldung noch an. Verletzte oder Sachschäden wurden nicht gemeldet.
Pevkur sprach gegenüber dem estnischen Rundfunksender ERR von einem Präzedenzfall: Es sei der erste Abschuss dieser Art in der Geschichte der Baltischen Luftraumüberwachung. Brigadier General Riivo Valge, Kommandant der estnischen Luftwaffe, erklärte laut finanzen.net, die Drohne sei vor dem Abschuss visuell gesichtet und mit der ersten Rakete getroffen worden – beides sei bei Abfangaktionen in Friedenszeiten vorgeschrieben.
Ukrainische Drohne – vom Kurs abgekommen durch russisches Jamming
Wie Pevkur laut oe24.at erklärte, handelt es sich mutmaßlich um ein ukrainisches Flugobjekt, das auf russische Ziele im Nordwesten Russlands gerichtet war und den estnischen Luftraum unerlaubt durchquert hat. Die Ukraine hatte keine Genehmigung zur Nutzung des estnischen Luftraums beantragt. Laut aerotime.aero wies Marko Mihkelson, Vorsitzender des außenpolitischen Ausschusses des estnischen Parlaments, auf russisches elektronisches Jamming als wahrscheinliche Ursache für die Kursabweichung hin. Wie estonianworld.com berichtet, entschuldigte sich der ukrainische Verteidigungsminister für den Vorfall bei seinem estnischen Amtskollegen.
Estlands Außenminister Margus Tsahkna betonte laut estonianworld.com: „Dies zeigt klar, dass die NATO-Luftraumüberwachung funktioniert.“ Die Ukraine habe zwar das Recht, russische Militärziele anzugreifen – jedoch nicht über estnischem Staatsgebiet. Pevkur bekräftigte laut finanzen.net, dass Estland außer NATO-Verbündeten niemandem die Nutzung seines Luftraums gestatte.
Auch Lettland und Litauen betroffen
Der Zwischenfall ist nicht isoliert. Wie der Tagesspiegel berichtet, wurde gleichzeitig auch Lettlands Bevölkerung in mehreren Regionen nahe der russischen Grenze gewarnt – dort soll laut Armeeangaben ebenfalls eine Drohne eingedrungen sein. Und bereits zwei Tage zuvor, am 17. Mai, wurde in Litauen im Dorf Samanė Drohnenwrack auf einem Feld entdeckt – laut aerotime.aero handelte es sich dabei um eine ukrainische Drohne mit Sprengstoff, die in einer kontrollierten Detonation unschädlich gemacht wurde.
Russland hatte unterdessen Estland, Lettland und Litauen wiederholt vorgeworfen, der Ukraine ihren Luftraum zur Verfügung zu stellen. Die drei Länder wiesen die Vorwürfe laut estonianworld.com in einer gemeinsamen Erklärung vom 10. April 2026 zurück.
Credits: APA
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