Energiekatastrophe in 6 Wochen? Experten schlagen Alarm

Energiekatastrophe in 6 Wochen? Experten schlagen Alarm

Der Iran-Krieg blockiert die wichtigste Ölroute der Welt – und die Folgen für Europa werden gerade erst spürbar. Experten warnen: Der eigentliche Schock kommt erst noch.

Die Straße von Hormus: Ein Nadelöhr mit Weltgewicht

Ende Februar griffen USA und Israel den Iran an. Seitdem ist die Straße von Hormus, jene schmale Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Arabischen Meer, nahezu vollständig gesperrt. Wie das Finanzanalyse-Portal Fixed Income berichtet, passieren mehr als 25 Prozent des weltweiten Seetransports von Öl sowie rund 20 Prozent des globalen Ölverbrauchs diese enge Passage – dazu kommt erhebliches Flüssiggas aus Katar, dem drittgrößten LNG-Exporteur der Welt.

Die Dimension des Problems bringt die Internationale Energieagentur (IEA) auf den Punkt: Wie t-online unter Berufung auf IEA-Chef Fatih Birol berichtet, könnte die aktuelle Krise schwerer ausfallen als die Ölschocks der 1970er-Jahre und die Ukraine-Krise zusammengenommen.

Der Schock kommt erst noch

Wer derzeit an der Tankstelle tankt und denkt, die Preiserhöhungen seien schon das Schlimmste, täuscht sich. Wie t-online berichtet, erreichen die letzten Tanker, die vor Kriegsbeginn die Straße von Hormus durchquert haben, erst jetzt ihre Zieldestinationen – die realen Engpässe werden sich mit einer Verzögerung von mehreren Wochen in europäischen Haushalten und Betrieben zeigen. Fachleute rechnen damit, dass die volle Wucht der Blockade in vier bis sechs Wochen spürbar wird.

Wie der SRF bestätigt, fehlt nach mehr als drei Wochen Blockade nun der Nachschub: Die Schiffe, die noch unterwegs waren, sind eingetroffen – doch neue kommen nicht nach.

40 Energieanlagen zerstört – ein Krieg gegen die Infrastruktur

Der Krieg trifft nicht nur den Iran selbst. Wie Bloomberg und die IEA berichten, wurden im Zuge des Konflikts mehr als 40 Energieanlagen in neun Ländern im Nahen Osten schwer oder sehr schwer beschädigt – Schäden, die die Störungen globaler Lieferketten auch nach einem möglichen Kriegsende noch lange fortsetzen könnten. Besonders gravierend: Wie die Werra-Rundschau unter Berufung auf internationale Quellen berichtet, haben israelische Angriffe das iranische South-Pars-Gasfeld – das größte der Welt – sowie den zentralen Verarbeitungsknoten Asaluyeh getroffen und damit weltweite Alarmsignale über das LNG-Angebot ausgelöst.

Was das für Österreich bedeutet

Die unmittelbare Versorgungssicherheit ist laut Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) zwar nicht akut gefährdet. Wie exxpress berichtet, betont Hattmannsdorfer, dass Österreich keine direkte Abhängigkeit vom Iran habe und die OMV alternative Bezugsquellen evaluiere.

Das eigentliche Risiko liegt woanders. Wie exxpress unter Berufung auf Energieökonom Georg Millgramm berichtet, ist der Gaspreis in Europa vom Ölpreis weitgehend entkoppelt – das zentrale Problem seien daher nicht physische Engpässe, sondern explodierende Preise. Und die schlagen bereits durch: Wie t-online meldet, hat der europäische Gaspreis die Marke von 61 Euro pro Megawattstunde überschritten, der Ölpreis der Sorte Brent liegt über 110 US-Dollar. Wie das Wirtschaftsmagazin News berichtet, macht Erdöl trotz aller Energiewende-Bekenntnisse mehr als ein Drittel des gesamten energetischen Endverbrauchs Österreichs aus – die Schockwellen aus dem Persischen Golf werden auch hier spürbar sein.

Europa schon vor dem Krieg geschwächt

Erschwerend kommt hinzu, dass Europa strukturell geschwächt in diese Krise stolpert. Wie exxpress im Februar unter Berufung auf den Physiker und Energieökonomen Björn Peters berichtete, hat Deutschland sich freiwillig gleich zweier stabiler Energiequellen beraubt und mache seine Versorgung damit extrem wetterabhängig. Peters bringt die Lage auf einen bitteren Nenner: Durch die gestiegenen Energiekosten exportiere Deutschland keine Güter mehr – sondern Industriearbeitsplätze.

EZB beobachtet, IEA fordert Handeln

Auf höchster europäischer Ebene herrscht Nervosität. Wie Euronews berichtet, räumte EZB-Präsidentin Christine Lagarde ein, die Welt stehe vor „tiefgreifender Unsicherheit“ – die EZB sei aber gut aufgestellt. Die IEA geht einen Schritt weiter und legte einen Zehn-Punkte-Notfallplan vor: Wie t-online berichtet, empfiehlt die Behörde unter anderem Energiesteuersenkungen, effizienteres Fahren im Güterverkehr sowie den beschleunigten Austausch von Gas- und Ölheizungen. Parallel dazu wurden bereits strategische Ölreserven im Umfang von 400 Millionen Barrel freigegeben – wie t-online unter Berufung auf IEA-Chef Birol berichtet, verpuffte der Effekt jedoch an den Märkten.

Erste Entspannung – aber keine Entwarnung

Zuletzt gab es erste zaghafte Signale einer Deeskalation: Wie der SRF berichtet, teilte der Iran den Vereinten Nationen mit, den Transit durch Hormus für „nicht feindselige Schiffe“ wieder zuzulassen. Am Dienstag durchquerten bereits neun Schiffe die Meerenge – mehr als zuvor. Der Ölpreis reagierte und fiel seit Wochenbeginn um bis zu zwölf Prozent.

Doch von Entwarnung ist man weit entfernt. Wie der SRF weiter berichtet, warten rund 800 Öltanker und weitere Transportschiffe auf die Durchfahrt. Die Philippinen haben den Energie-Notstand ausgerufen, Sri Lanka rationiert Benzin, Billigairlines drohen in die roten Zahlen zu rutschen – weil sich der Kerosinpreis teils verdoppelt hat.

Der Countdown läuft. Und Europa schaut zu.


Quellen:

  • exxpress.at – Gaspreise explodieren: Was der Iran-Krieg jetzt für Österreich bedeutet
  • exxpress.at – Energie-Alarm: Wetter entscheidet – erst Industrie-Aus, dann Strommangel (Björn Peters, 07.02.2026)
  • t-online.de – Schlimmste Energiekrise aller Zeiten: Energiebehörde fordert drastische Maßnahmen (24.03.2026)
  • SRF – Iran lockert Blockade an der Straße von Hormus (26.03.2026)
  • Euronews – Energieschock durch Iran-Krieg: EZB wachsam, Lagarde erwartet keine Wiederholung von 2022 (25.03.2026)
  • Bloomberg – Iran-Krieg: Über 40 Energieanlagen im Nahen Osten schwer beschädigt (IEA) (23.03.2026)
  • news.at – Ölverlust durch Iran-Konflikt: Was jetzt zu erwarten ist
  • fixed-income.org – Iran-Konflikt: Auswirkungen auf Energiemärkte
  • werra-rundschau.de – Kraftwerke, Entsalzungsanlagen, Rechenzentren – Iran veröffentlicht Ziel-Liste (24.03.2026)

Credits: APA

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