Ende der Fahnenstange? Warum Österreichs Wirtschaft dauerhaft langsamer wächst

Ende der Fahnenstange? Warum Österreichs Wirtschaft dauerhaft langsamer wächst

Nach zwei Jahren Rezession ist Österreichs Wirtschaft 2025 zwar wieder auf Wachstumskurs eingeschwenkt – doch von früherer Dynamik ist wenig übrig. Die neue Mittelfristprognose des Instituts für Höhere Studien (IHS) zeigt: Das Land muss sich bis 2030 auf spürbar kleinere Wachstumsraten einstellen als noch in den Jahren zuvor.

Vom Aufschwung zur „verhaltenen“ Erholung

Wie DER STANDARD unter Berufung auf die IHS-Prognose berichtet, fand Österreichs Wirtschaft 2025 nach einer hartnäckigen zweijährigen Rezession zwar wieder auf einen Wachstumspfad zurück – die Ökonomen des Instituts bezeichnen diesen aber selbst nur als „verhalten“. Zusätzlich erschwert wurde die Erholung durch den im Jahresverlauf eskalierten Iran-Krieg, der die Inflationsraten kräftig ansteigen und die Vertrauensindizes der Unternehmen einknicken ließ. Die IHS-Ökonomen gehen davon aus, dass diese kriegsbedingten Verwerfungen – sofern der Konflikt nicht erneut aufflammt – bis zum Jahresende überwunden sein und die Wirtschaft wieder an Fahrt gewinnen dürfte.

Ein Prozent statt fast zwei Prozent

Der eigentliche Kern der Prognose liegt aber im längerfristigen Trend: Für den Zeitraum bis 2030 rechnet das IHS im Schnitt nur noch mit rund einem Prozent jährlichem Wirtschaftswachstum. Zum Vergleich: In den fünf Jahren zuvor lag der Durchschnitt laut IHS noch bei 1,9 Prozent – nahezu doppelt so hoch. Konkret erwartet das Institut heuer ein Plus von 0,8 Prozent, 2027 dann 1,0 Prozent, gefolgt von 1,2, 1,1 und 1,0 Prozent in den Jahren 2028 bis 2030. „Österreichs Wirtschaft fährt auf absehbare Zeit auf Handbremse“, brachte es IHS-Chef Holger Bonin bei der Präsentation in Wien laut news.ORF.at auf den Punkt.

Die Inflation bleibt noch länger hoch

Auch bei der Teuerung lässt eine echte Entspannung noch auf sich warten. Für heuer rechnet das IHS mit einer Inflationsrate von 3 Prozent, das von der EZB angepeilte Ziel von 2,0 Prozent soll laut Prognose erst 2028 erreicht werden. Im Durchschnitt der Jahre bis 2030 erwarten die Ökonomen eine Teuerung von 2,3 Prozent pro Jahr. Immerhin: Mit nachlassender Inflation soll auch der private Konsum wieder an Schwung gewinnen und bis 2030 um jährlich rund 0,75 Prozent zulegen.

Das strukturelle Kernproblem: Ein verfehltes Defizitziel

Eng verknüpft mit der schwachen Wachstumsdynamik ist die Budgetlage. Die laufende Konsolidierung der Bundesregierung senkt zwar die Defizitquote, die zuletzt über 4 Prozent lag, deutlich – auf 3,7 beziehungsweise 3,6 Prozent im Jahr 2028. Das von der EU vorgegebene Maastricht-Ziel von 3 Prozent, Voraussetzung für ein Verlassen des laufenden EU-Defizitverfahrens, wird laut IHS aber bis 2030 durchgehend verfehlt. Um die Grenze tatsächlich zu unterschreiten, wären deutlich stärkere Strukturreformen nötig – insbesondere im Gesundheitswesen und bei den Pensionen, wo der demografisch bedingte Ausgabendruck auch über den Prognosezeitraum hinaus hoch bleiben wird.

Sparen bremst kurzfristig, Reformen könnten langfristig helfen

Die Wirtschaftsforscher weisen dabei auf ein Dilemma hin: Stärkere Sparmaßnahmen würden das ohnehin schwache Wachstum kurzfristig zusätzlich dämpfen. Positive Impulse könnten hingegen von einer sinkenden Sparquote der Haushalte, einer kräftigeren Konsumnachfrage sowie verstärkten Unternehmensinvestitionen in künstliche Intelligenz kommen, die die Produktivität steigern könnten.

Kritik aus Opposition und Wirtschaft

Die Prognose sorgte prompt für scharfe politische Reaktionen. FPÖ-Budgetsprecher Arnold Schiefer bezeichnete sie in einer Aussendung als „verheerendes Zeugnis“ für die Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS und verwies auf den kürzlichen Verlust von Österreichs Top-Bonitätsrating. Auch die Industriellenvereinigung forderte über Generalsekretär Christoph Neumayer mehr „Reformtempo und Reformmut“ – schon das bloße Erreichen der Drei-Prozent-Marke wäre lediglich eine europäische Mindestanforderung, keine nachhaltig solide Budgetpolitik.

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