Es gibt Begegnungen, die man nicht vergisst. Eine davon hatte ich mit Andreas Babler beim Bundesheer. Nach meiner persönlichen Erinnerung war Andreas Babler damals im Bistro der Heereskampfschule in der Martinek-Kaserne in Baden tätig. Ich trat dort seinen Dienst als Nachfolger an und wurde von ihm eingeschult. Er erklärte mir den Ablauf im Bistro – bis hin dazu, wie man einen Kaffee „schwarz“ verkauft und sich dabei ein kleines Körberlgeld dazuverdient. Diese Erinnerung liegt viele Jahre zurück, ist mir aber bis heute lebhaft geblieben.
Wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, sehe ich denselben Andreas Babler vor mir, der später als Bürgermeister wegen seines zusätzlichen Einkommens als Pressesprecher öffentlich in die Kritik geriet. Ich erinnere mich auch an einen Babler, der die Europäische Union einst deutlich kritischer sah als heute. Auf mich wirkt dieser politische Wandel oft widersprüchlich. Man gewinnt mitunter den Eindruck, dass sich Positionen verändern, je nachdem, was gerade politisch opportun erscheint.
Auch seine Reise in die USA sorgte für Schlagzeilen – allerdings weniger wegen politischer Erfolge als wegen eines Vorfalls, der in den sozialen Medien mehr Aufmerksamkeit erhielt als seine inhaltlichen Botschaften. Angesichts aktueller Umfragewerte von rund 16 Prozent für die SPÖ stellt sich für mich die Frage, ob Andreas Babler die Partei tatsächlich nachhaltig stärken kann oder ob sie unter seiner Führung weiter an Zustimmung verliert.
Heute ist derselbe Andreas Babler Vizekanzler und Vorsitzender der SPÖ. Umso bemerkenswerter finde ich, dass ausgerechnet er nun über die Zukunft des Bundesheeres und des Wehrdienstes mitentscheidet beziehungsweise grundlegende Änderungen vorschlägt.
Das von der SPÖ präsentierte Modell sieht vor, den Grundwehrdienst bei sechs Monaten zu belassen und verpflichtende zweimonatige Milizübungen anzuschließen – das sogenannte „6+2-Modell“. Für den Zivildienst wird ein entsprechendes „9+2-Modell“ vorgeschlagen.
Natürlich darf jeder Politiker Vorschläge zur Landesverteidigung machen. In einer Demokratie ist das selbstverständlich. Dennoch stellt sich für mich die Frage, ob gerade jene Personen, die selbst nur wenig unmittelbare militärische Erfahrung gesammelt haben, die glaubwürdigsten Botschafter für tiefgreifende Reformen des Bundesheeres sind.
Landesverteidigung ist weit mehr als ein theoretisches Konzept. Sie lebt von Erfahrung, Verantwortung und einem Verständnis dafür, was Soldatinnen und Soldaten tatsächlich leisten. Gerade in einer Zeit wachsender internationaler Spannungen sollte Sicherheitspolitik mit größter Ernsthaftigkeit diskutiert werden.
Die österreichische Bevölkerung wird sich letztlich selbst ein Bild darüber machen, wem sie bei Fragen der Landesverteidigung und der Sicherheit unseres Landes das größte Vertrauen schenkt.
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