Die Zahl der Einbürgerungen in der Europäischen Union hat 2024 einen neuen Höchststand erreicht. Die aktuellen Eurostat-Daten zeigen, wer am häufigsten einen EU-Pass erhält — und welche Länder am großzügigsten vergeben.
Rekordwert nach einem Jahrzehnt Wachstum
Wie Euronews unter Berufung auf aktuelle Eurostat-Daten berichtet, erhielten im Jahr 2024 fast 1,2 Millionen Menschen eine EU-Staatsbürgerschaft. Das entspricht einem Anstieg von 54 Prozent gegenüber 2014, als es noch 762.000 Einbürgerungen gab, und einem Plus von rund 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die überwiegende Mehrheit der neu Eingebürgerten — 88 Prozent — sind Staatsangehörige von Nicht-EU-Ländern.
Syrer vor Marokkanern und Albanern
Unter den Herkunftsländern führen laut Eurostat eindeutig syrische Staatsangehörige: Mehr als 110.000 Syrer erhielten 2024 eine neue EU-Staatsbürgerschaft — die größte Einzelgruppe. Dahinter folgen wie Euronews berichtet Marokkaner mit rund 97.000, Albaner mit 48.000 und türkische Staatsangehörige mit knapp über 40.000. Venezolaner, Ukrainer, Inder, Russen und Brasilianer bilden die weiteren Gruppen auf den Folgeplätzen.
Der starke Anstieg bei Syrern ist kein Zufall: Wie exxpress in einer früheren Analyse festhält, erreichen 2026 jene Asylwerber aus Syrien die Zehn-Jahres-Frist, die im Flüchtlingsjahr 2015 nach Österreich und Europa kamen. Zwischen 2026 und 2028 folgen die noch größeren Asyljahrgänge 2016 und 2017 — Experten rechnen daher mit einem weiteren Anstieg.
Deutschland vergibt EU-weit die meisten Pässe
Beim Blick auf die einbürgernden Länder liegt Deutschland laut Euronews mit rund 300.000 Einbürgerungen — einem Viertel aller EU-Fälle — klar an der Spitze. Es folgen Spanien mit rund 250.000 und Italien mit 217.000. Die höchste Einbürgerungsrate im Verhältnis zur ausländischen Wohnbevölkerung verzeichnet allerdings Schweden mit 7,5 Einbürgerungen pro 100 ausländische Einwohner. Am anderen Ende der Skala stehen Litauen, Bulgarien und Estland.
Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) in einer eigenen Erhebung dokumentiert, stellten allein 2024 rund 83.200 Syrer rund 28 Prozent aller Einbürgerungen in Deutschland — die größte Einzelgruppe.
Unterschiedliche Wege zum EU-Pass
Die Mindestaufenthaltsdauer für eine Einbürgerung variiert innerhalb der EU stark. Wie Euronews erklärt, beträgt sie in den meisten Ländern rund fünf Jahre — mit teils großen Unterschieden. Deutschland hat seine Regeln zuletzt verschärft und die sogenannte Turboeinbürgerung für hochqualifizierte Arbeitskräfte im Oktober 2025 abgeschafft. Spanien wiederum gewährt bestimmten Gruppen, etwa lateinamerikanischen Staatsangehörigen, bereits nach zwei Jahren die Staatsbürgerschaft. Malta ermöglicht eine Einbürgerung nach nur 14 Monaten — bei einer Mindestinvestition von 600.000 Euro in die Wirtschaft.
Politische Reaktionen in Österreich
In Österreich verläuft die Debatte ähnlich. Wie exxpress berichtet, hat die FPÖ bereits 2026 im Nationalrat gefordert, Asylberechtigten den Zugang zur Staatsbürgerschaft grundsätzlich zu verwehren — unabhängig von Aufenthaltsdauer und erfüllten Integrationsvoraussetzungen. Die Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS verweist hingegen auf strenge Einzelfallprüfungen und eines der restriktivsten Staatsbürgerschaftsrechte innerhalb der EU.
Credits: APA
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