Eine neue ATV-Umfrage offenbart das Profil-Problem der Volkspartei. Besonders alarmierend: Jeder zweite FPÖ-Wähler sieht in der ÖVP keine klare Linie mehr.
32 Prozent sehen verwaschenes Profil
Wofür steht die ÖVP eigentlich noch? Diese Frage bringt die Kanzlerpartei zunehmend in Erklärungsnot. Eine aktuelle Online-Umfrage von Peter Hajek Public Opinion Strategies im Auftrag von ATV, durchgeführt unter 800 wahlberechtigten Österreichern zwischen 26. und 29. Jänner 2026, liefert ernüchternde Ergebnisse, wie exxpress berichtet.
Die Frage lautete: „Wofür steht die ÖVP Ihrer Meinung nach derzeit am ehesten?“ Bis zu zwei Nennungen waren möglich.
Das Resultat: 30 Prozent sehen die ÖVP primär als Partei für „Wirtschaft, Unternehmen und Leistung“. Dahinter folgen „Tradition, Familie und ländlicher Raum“ mit 18 Prozent sowie „Europa, Außen- und Verteidigungspolitik“ mit 16 Prozent.
Die restlichen Werte im Detail
Jeweils 11 Prozent nennen „Sicherheit, Ordnung und Stabilität“ sowie „christlich-soziale Werte und gesellschaftlicher Zusammenhalt“, berichtet exxpress. „Reformen und Erneuerung“ erreichen 6 Prozent, „Umwelt- und Klimaschutz“ sowie „Anderes“ jeweils 4 Prozent. 8 Prozent wissen es nicht oder machen keine Angabe.
Der auffälligste und problematischste Wert: 32 Prozent der Befragten sagen, die ÖVP stehe „für nichts davon besonders“.
FPÖ-Wähler besonders skeptisch
Bei genauerer Betrachtung der Wählergruppen verschärft sich das Bild. Während ÖVP-Wähler ihre Partei vor allem bei „Wirtschaft, Unternehmen und Leistung“ (47 Prozent), „Europa, Außen- und Verteidigungspolitik“ (29 Prozent) sowie „Sicherheit, Ordnung und Stabilität“ (26 Prozent) stark sehen, sieht es außerhalb der eigenen Kernwählerschaft düster aus.
Den höchsten Wert bei der Aussage, die ÖVP stehe für nichts Besonderes, liefern mit 52 Prozent die FPÖ-Wähler. Bei SPÖ-Wählern liegt dieser Wert bei 16 Prozent, bei NEOS-Wählern bei 17 Prozent und bei Grün-Wählern bei 21 Prozent.
Wirtschaft bleibt einziger Markenkern
Interessant: Auch für SPÖ-, Grün- und FPÖ-Wähler steht die ÖVP am stärksten für „Wirtschaft, Unternehmen und Leistung“. Lediglich NEOS-Wähler nennen „Tradition, Familie und ländlicher Raum“ als ÖVP-Kernkompetenz.
Hajek warnt vor Zukunftsproblem
Meinungsforscher Peter Hajek findet klare Worte: „Die ÖVP hat noch einen verbliebenen Markenkern, jedoch hat dieser in den letzten Jahren Schaden erlitten. Dass die ÖVP für 32 Prozent der Befragten für nichts Besonderes mehr steht, sollte die Partei nachdenklich stimmen.“
Besonders problematisch sei, „dass jeder zweite FPÖ-Wähler dieser Meinung ist. Denn dort ist das Wählerpotenzial der Zukunft“, so Hajek laut exxpress.
Diskussion am Freitag
Die Ergebnisse werden am Freitag um 22:30 Uhr im Polit-Talk „Aktuell: Die Woche“ bei ATV und im Stream auf JOYN diskutiert – mit Moderator Meinrad Knapp, Politikberater Thomas Hofer und Meinungsforscher Peter Hajek.
Für die ÖVP ist die Umfrage weniger Rückenwind als vielmehr eine Standortbestimmung, die der Kanzlerpartei zu denken geben dürfte. Das verwaschene Profil könnte sich als langfristiges Problem erweisen – besonders im Wettbewerb um Wähler aus dem bürgerlich-konservativen Lager.
Quellen:
- exxpress: „ATV-Umfrage: Ein Drittel sagt, die ÖVP steht für nichts Besonderes“
- Peter Hajek Public Opinion Strategies: Online-Umfrage im Auftrag von ATV (26.-29. Jänner 2026, 800 Befragte)
- ATV/JOYN: Polit-Talk „Aktuell: Die Woche“
Credits: APA
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