Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat seinen Transparenzbericht 2025 vorgelegt – und die Zahlen sorgen für Gesprächsstoff: Fast 900 Mitarbeiter knacken die 100.000-Euro-Marke. An der Spitze steht ein Manager, den kaum jemand kennt.
Die Zahlen, die aufhorchen lassen
Wie oe24 unter Berufung auf den aktuellen ORF-Transparenzbericht berichtet, verdienen 868 Personen – das entspricht ziemlich genau einem Drittel der rund 2.600 Beschäftigten – mehr als 100.000 Euro brutto im Jahr. Gut dotierte Jobs sind am Küniglberg also keine Ausnahme, sondern die Regel. Noch deutlicher: Wie nachrichten.at festhält, lagen 1.881 Mitarbeiter – also mehr als die Hälfte der Belegschaft – über der 75.000-Euro-Grenze, was einem Monatsgehalt von mindestens 5.300 Euro entspricht.
Den Durchschnittsverdienst weist der Bericht selbst nicht aus. Dafür tut es der Rechnungshof: Wie oe24 berichtet, lag das Durchschnittsgehalt im ORF laut Rechnungshofbericht auf Basis 2024 bei 99.200 Euro brutto im Jahr – knapp unter der symbolischen 100.000-Euro-Schwelle.
Neuer Gagenkaiser: Pius Strobl
An der Spitze der Gehaltsliste steht 2025 ein neues Gesicht. Wie salzburg24 berichtet, führt ORF-Manager Pius Strobl das Ranking mit einem Bruttojahresgehalt von 468.856 Euro an. Strobl, der unter anderem für die Sanierung des ORF-Zentrums verantwortlich zeichnete und Ende 2026 in Pension geht, löst damit Ö3-Urgestein Robert Kratky ab, der das Haus verlassen hat. Dahinter folgen der mittlerweile zurückgetretene Generaldirektor Roland Weißmann mit 427.500 Euro sowie ORF-Enterprise-Geschäftsführer Oliver Böhm mit 349.000 Euro.
Unter den bekannten TV-Gesichtern ist ZiB2-Anchor Armin Wolf mit rund 275.000 bis 276.000 Euro der bestverdienende vor der Kamera. Wie nachrichten.at berichtet, sind in allen oberen Gehaltsklassen deutlich mehr Männer vertreten – keine einzige Frau verdient im ORF über 300.000 Euro.
Gesetzliche Pflicht zur Offenlegung
Der Transparenzbericht ist kein freiwilliges Bekenntnis des ORF. Wie der ORF selbst auf seinen Unternehmensseiten festhält, ist er als einziges öffentliches Unternehmen Österreichs gesetzlich verpflichtet, die Gehälter jener Mitarbeiter namentlich zu veröffentlichen, die inklusive Zulagen über 170.000 Euro brutto im Jahr verdienen. Für 2025 sind das 65 Personen – zehn weniger als im Vorjahr. Als Grund nennt der Bericht altersbedingte Abgänge und Altersteilzeit.
Der ORF betont im Vorwort des Berichts, man wisse um das „Privileg der öffentlichen Finanzierung“ und gehe „sorgsam“ mit den Beiträgen der Bevölkerung um. Zudem verweist das Unternehmen auf eine Null-Lohnrunde für die beiden obersten Verwendungsgruppen sowie auf Gehaltsabschlüsse unterhalb der Inflation.
FPÖ fordert Gehaltsdeckel
Politisch lässt das Thema niemanden kalt. Wie der ORF in seiner Berichterstattung festhält, forderte FPÖ-Mediensprecher Christian Hafenecker eine „sofortige gesetzliche Gehaltsdeckelung im ORF“ sowie eine unabhängige Prüfkommission zur Durchleuchtung der gesamten Gehaltsstruktur. Hafenecker sprach von „fürstlichen Gehältern“, während die Bevölkerung unter Teuerung und steigenden Lebenshaltungskosten leide.
Der ORF hält dem entgegen, dass der aktuelle Kollektivvertrag – der für mehr als 40 Prozent der Belegschaft gilt – auf Marktniveau liege und das daraus resultierende Durchschnittseinkommen rund ein Drittel unter den alten Vertragssystemen des Hauses.
Credits: APA
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