Eine Woche nach der offiziellen Bekanntgabe des Ebola-Ausbruchs in der kongolesischen Ituri-Provinz spitzt sich die Lage dramatisch zu. Hunderte Verdachtsfälle, übervolle Isolierkapazitäten und die reale Gefahr einer Ausbreitung in Nachbarländer – Helfer und Experten arbeiten im Wettlauf gegen die Zeit.
„Für manche Patienten steht keine Behandlung zur Verfügung“
Wie oe24.at unter Berufung auf den Berliner Charité-Epidemiologen und Ärzte-ohne-Grenzen-Mitarbeiter Maximilian Gertler berichtet, haben viele Einrichtungen vor Ort ihre Kapazitätsgrenzen bereits erreicht: „Im Moment hören wir von vielen unserer Teams und anderen Gesundheitseinrichtungen, dass sich bei ihnen ununterbrochen Verdachtsfälle vorstellen, für die keine Isolierkapazitäten vorhanden sind. Dann steht für diese Patienten unter Umständen keine Behandlung zur Verfügung. Außerdem besteht natürlich die Möglichkeit, dass diese Infizierten weitere Infektionen auslösen.“ Sein Appell an die Situation: „Es kommt jetzt darauf an, rasch Isolier- und Behandlungskapazitäten an unterschiedlichen Orten einzurichten.“
Laut APA-Grafik sind neben der Provinz Ituri auch Nord-Kivu und Süd-Kivu im Kongo betroffen – sowie die ugandische Hauptstadt Kampala, wo bereits ein bestätigter Todesfall registriert wurde.
Logistik im Krisengebiet: Alles selbst organisieren
Die Dimension der Herausforderung ist enorm. Der Kongo ist laut oe24.at fast siebenmal so groß wie Deutschland – mit schwach entwickelter Infrastruktur in weiten Teilen. Wie Gertler gegenüber der APA erläutert, müssen Hilfsorganisationen wie MSF alles selbst organisieren: „Man muss alles selbst organisieren, auch den Diesel für die Generatoren.“ MSF transportiere derzeit laut Gertler tonnenweise Schutzausrüstung und logistisches Material wie Generatoren und Kühlgeräte in die Region. Teams seien in größeren Städten wie Bunia, Butembo und Goma im Einsatz, um Standorte für neue Isolier- und Behandlungszentren zu identifizieren.
Erschwerend komme die fragile Sicherheitslage in der Konfliktregion hinzu. Die betroffenen Gebiete grenzen an Uganda und den Südsudan – zwei Länder, in denen Grenzübertritte laut oe24.at häufig und unkontrolliert stattfinden.
IKRK: „Die kommenden Tage sind entscheidend“
Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) schlägt Alarm. Wie oe24.at unter Berufung auf Ariel Kestens von der IKRK-Delegation in Kinshasa berichtet, erklärte dieser: „Der Ausbruch breitet sich rasant in Gebieten aus, deren Gesundheitssysteme ohnehin schon schwach sind und in denen häufig Grenzübertritte stattfinden. Jetzt ist schnelles Handeln und die enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden von höchster Priorität, denn die kommenden Tage sind entscheidend.“
Kontaktverfolgung als zweite Verteidigungslinie
Neben der Behandlung sei laut Gertler die Kontaktverfolgung entscheidend. Alle Personen, die Kontakt mit einem bestätigten Ebola-Fall hatten, müssen 21 Tage lang täglich überwacht werden. Solange sie symptomfrei bleiben, sind sie nicht ansteckend – entwickeln sie aber Fieber, müssen sie laut oe24.at „schleunigst und unter sicheren Bedingungen in ein Isolations- und Behandlungszentrum gebracht werden.“ Freiwillige des Kongolesischen Roten Kreuzes gehen derzeit in den besonders betroffenen Regionen von Tür zu Tür, um die Bevölkerung aufzuklären.
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