Drohnen über St. Petersburg: Ukraine attackiert Wirtschaftsforum

Drohnen über St. Petersburg: Ukraine attackiert Wirtschaftsforum

Während Russland sein wichtigstes Wirtschaftstreffen abhält, fliegen ukrainische Drohnen über St. Petersburg. Ein Ölterminal brennt, eine Korvette ist beschädigt — und Putin spricht trotzdem. Eine Geschichte über Krieg, Symbolpolitik und 1.100 Kilometer Reichweite.

Der Angriff zum Forumsbeginn

In der Nacht auf den 3. Juni, unmittelbar vor der Eröffnung des St. Petersburg International Economic Forum (SPIEF), griffen ukrainische Drohnen gezielt Ziele in der zweitgrößten russischen Stadt an. Wie ZDF heute unter Berufung auf ukrainische Militärangaben berichtet, bestätigte Präsident Selenskyj persönlich: Getroffen wurden ein Ölterminal im Großen Hafen sowie ein militärisches Ziel im Stadtbezirk Kronstadt — dem Ostsee-Stützpunkt der russischen Kriegsflotte. St. Petersburger Gouverneur Alexander Beglow meldete laut orf.at mehrere Verletzte und Infrastrukturschäden in mehreren Bezirken. Der Flughafen Pulkowo stellte seinen Betrieb für mehrere Stunden ein.

Laut ukrainischen Angaben und verifizierten Videoaufnahmen, wie Euromaidan Press und ms-aktuell.de berichten, wurde die russische Korvette „Boikiy“ der Baltischen Flotte im Trockendock von Kronstadt von mindestens zwei Drohnen getroffen und schwer beschädigt. Russland bestätigte den Treffer auf das Schiff nicht. Selenskyj hob laut news.de die strategische Dimension hervor: Die angegriffenen Ziele liegen fast 1.100 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

Die zweite Angriffswelle: 376 Drohnen in einer Nacht

In der Nacht auf Samstag — dem letzten Tag des Forums — folgte laut orf.at eine zweite, noch größere Angriffswelle. Das russische Verteidigungsministerium meldete 376 abgeschossene ukrainische Drohnen über 13 russischen Regionen sowie über Krim, Schwarzem Meer und Asowschem Meer. Allein über der Region Leningrad wurden laut Gouverneur Alexander Drosdenko 86 Drohnen abgefangen. Neun weitere stoppte laut Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin die Luftabwehr auf dem Weg Richtung Hauptstadt. In der südrussischen Stadt Ust-Labinsk brannte nach einem Treffer ein Öldepot, wie orf.at berichtet. Russische Zahlen zu abgefangenen Drohnen lassen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen.

Putins Forum — trotzdem

Das SPIEF gilt als Russlands wichtigste Wirtschaftskonferenz — Moskaus Antwort auf Davos. Putin nutzt das Forum als Bühne, um zu demonstrieren, dass die russische Wirtschaft trotz westlicher Sanktionen funktioniert. Wie der Tagesspiegel berichtet, nahmen heuer auch wieder Wirtschaftsvertreter aus westlichen Staaten teil — darunter laut news.de Bundestagsabgeordnete der AfD.

Putin hielt seine Rede, das Forum lief weiter. Kremlsprecher Dmitri Peskow nutzte die Angriffe als Begründung für die Fortsetzung des Krieges: „Wir führen die militärische Spezialoperation auch deswegen fort, damit es solche Schläge nicht gibt“, sagte er laut Tagesspiegel — eine zirkuläre Logik, die zeigt, wie eng militärische Eskalation und politische Inszenierung in diesem Krieg verwoben sind.

Verhandlungen: Stocken auf hohem Niveau

Während die Drohnen fliegen, bewegen sich die Friedensgespräche kaum. Wie orf.at festhält, haben Moskau und Kiew in den vergangenen Monaten die gegenseitigen Angriffe verstärkt — parallel zu stockenden US-Vermittlungsbemühungen. Selenskyjs offener Brief an Putin mit dem Angebot direkter Gespräche und die gleichzeitigen Drohnenangriffe auf St. Petersburg illustrieren Kiews Strategie: Gesprächsbereitschaft signalisieren und gleichzeitig militärischen Druck aufrechterhalten.

Credits: BKA Christopher Dunker

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