Terroristen nutzen zunehmend Künstliche Intelligenz und Drohnen für Anschlagsplanung. Bundeskanzler Stocker reagiert — mit einem Expertengipfel und klaren Worten. Was dahintersteckt und was die Forscher wirklich warnen.
13 Experten, ein Abend, viele Bedrohungen
Mittwochabend empfing Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) 13 nationale und internationale Antiterrorismus-Experten zu einem Arbeitsgespräch im Bundeskanzleramt. Vertreten waren unter anderem das King’s College London und die Universität Nizza. Im Mittelpunkt standen laut Bundeskanzleramt aktuelle Trends, Strukturen und Taktiken von Extremisten sowie mögliche künftige Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Österreich und Europa.
Stocker sagte laut Bundeskanzleramt: „Extremismus und Terrorismus kennen keine Landesgrenzen. Um diesen Bedrohungen wirksam begegnen zu können, braucht es einen engen internationalen Austausch und belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse.“
Clarke warnt: Technologie verändert den Terrorismus fundamental
Der wohl profilierteste Gast des Abends war Colin Clarke, Executive Director des Soufan Center in New York — einer der renommiertesten unabhängigen Terrorismusforschungseinrichtungen der Welt. Clarke, der auch als Experte für Künstliche Intelligenz und Extremismus gilt und regelmäßig vor dem US-Kongress aussagt, unterstrich laut exxpress.at die Dringlichkeit transatlantischer Zusammenarbeit: „Nur eine nachhaltige Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich und der Austausch von Erkenntnissen können dazu beitragen, der Bedrohung entgegenzuwirken.“
Was Clarke damit meint, ist in einer aktuellen Soufan Center-Analyse präzise beschrieben: Wie das Institut in seinem Ausblick auf die Terrorgefahr 2026 festhält, ist die Konvergenz mehrerer günstiger Technologien das Kernproblem. 3D-Drucker ermöglichen die schnelle Bewaffnung von Drohnen, KI-Chatbots werden zunehmend nicht nur für Propaganda, sondern für konkrete Anschlagsplanung eingesetzt, und kommerzielle Drohnen sind für extremistische Akteure leicht zugänglich und billig. Der erste medial wirksame Terrordrohnenangriff im Westen könnte 2026 stattfinden, warnt das Soufan Center.
Österreich ist nicht ohne Risiko
Der Gipfel ist kein Selbstzweck. Österreich wurde zuletzt mehrfach mit konkreten Terrorbedrohungen konfrontiert. Nach dem israelischen Angriff auf den Iran im März 2026 erhöhte die Regierung laut Bundeskanzleramt den Objekt- und Personenschutz an gefährdeten Einrichtungen, insbesondere rund um israelische und US-amerikanische Vertretungen.
Der Verfassungsschutzbericht der DSN verzeichnet zudem eine wachsende Bedrohung durch islamistischen Extremismus ebenso wie durch rechtsextreme Akteure — zwei Phänomene, die in der öffentlichen Debatte oft getrennt behandelt werden, in der Realität aber zunehmend ähnliche Strukturen und Taktiken aufweisen, wie Forscher immer wieder betonen.
Symbolpolitik oder Substanz?
Die Frage ist berechtigt: Was bringt ein Abendgespräch mit 13 Experten konkret? Die Antwort ist ehrlich: direkt wenig, indirekt möglicherweise einiges. Solche Formate dienen dem Informationsaustausch zwischen Forschung, Politik und Sicherheitsbehörden — einem Bereich, in dem Österreich historisch Defizite hatte. Das 2026 eingerichtete Koordinationsgremium für nationale Sicherheit unter Regierungsberater Peter Vorhofer deutet darauf hin, dass die Regierung strukturell nachbessert, nicht nur symbolisch.
Ob daraus belastbare Maßnahmen entstehen — etwa beim Einsatz von KI in der Gefahrenfrüherkennung oder bei der Regulierung von Drohnentechnologie — wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Cedits: BKA Christopher Dunnker
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