Überfüllung, Personalmangel, 23 Stunden Einschluss – Österreichs Justizanstalten stecken in einer Strukturkrise. Eine Gewerkschafterin spricht in der ZiB2 Klartext.
Drei Häftlinge, ein Zweibettzimmer
Wie oe24 unter Berufung auf die ZiB2 berichtete, bestätigte Claudia Gradinger, Vorsitzende der Justizwachegewerkschaft in Niederösterreich, was Berichte der Volksanwaltschaft bereits dokumentierten: „Der Belag wurde erhöht, und in Zwei-Mann-Hafträumen werden drei bis vier Insassen untergebracht.“ Die Folge ist räumliche Enge, die jeden normalen Alltag unmöglich macht: „Es müssen drei sitzen, damit einer durch den Raum gehen kann.“
23 Stunden Einschluss – und die Gewalt wächst
Weil Justizwachebedienstete fehlen, bleiben die Werkstätten in den Gefängnissen immer öfter geschlossen. Wie oe24 unter Berufung auf Gradinger berichtete, verbringen Häftlinge dadurch bis zu 23 Stunden täglich in ihren Hafträumen: „Sie schauen fern oder liegen in den Betten herum.“ Die psychische Belastung durch erzwungene Untätigkeit entlädt sich laut Gradinger regelmäßig: „Sie verändern sich, manche werden aggressiv, sie beginnen untereinander in den Hafträumen zu streiten.“
Schlechte Bezahlung, kaum Bewerber
Die Personalkrise hat laut Gradinger strukturelle Ursachen. Planstellen können nicht besetzt werden, weil sich kaum noch Bewerber finden: „Es hapert sicher in erster Linie an der Bezahlung.“ Der Dienst an Wochenenden, Weihnachten und Ostern werde schlicht nicht angemessen vergütet: „Die Bezahlung liegt sicher im unteren Niveau.“
Lösung in weiter Ferne
Selbst wenn das Justizministerium sofort handeln würde, wäre schnelle Hilfe illusorisch. Wie Gradinger laut oe24 erklärte: „Auch wenn die Frau Ministerin jetzt veranlasst, dass viel mehr Personal ausgebildet wird, dauert es ein bis zwei Jahre mindestens, bis wir das in den Anstalten spüren.“ Zusätzlich fehlt psychiatrische Betreuung – in niederösterreichischen Anstalten stehe im Schnitt einmal, vielleicht zweimal pro Woche ein Psychiater zur Verfügung.
Die Volksanwaltschaft hatte die Missstände in ihrem aktuellen Bericht bereits dokumentiert – die Gewerkschaft bestätigt das Bild aus der Praxis.
Neueste Kommentare