Drama um ORF-Kameramann: Mitten in der Ukraine vom Militär verschleppt

Drama um ORF-Kameramann: Mitten in der Ukraine vom Militär verschleppt

Ein Fall, der Österreich erschüttert und die diplomatischen Drähte nach Kiew glühen lässt: Ein ORF-Kameramann wird während eines Drehs in der Ukraine vom Militär festgesetzt. Die Vorwürfe wiegen schwer: rechtswidrige Verschleppung, Misshandlung und ein massiver Angriff auf die Pressefreiheit. Während seine verzweifelte Lebensgefährtin vor Ort um seine Freiheit kämpft, wird in Wien die politische Debatte immer lauter.

Von der Straße weg ins Rekrutierungsbüro

Der Albtraum für Andrij Neposedov, einen erfahrenen Kameramann, begann während einer Routine-Verkehrskontrolle. Wie unter anderem Die Presse berichtet, war er mit ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz auf dem Weg zu einem Dreh in der Region Ternopil, als er von der Polizei angehalten wurde. Ein Militärvertreter soll ihn daraufhin in eine Dienststelle überstellt haben, wo er tagelang ohne Angabe von Gründen festgehalten wurde.

Seine Lebensgefährtin Oleksandra Zizenkova spricht gegenüber der Zeitung Heute sogar von einer „Entführung“. Sie berichtet, dass ihr Mann tagelang von einem Militärposten zum nächsten gebracht wurde. Der Grund: Man will ihn offenbar erneut für den Frontdienst rekrutieren – und das, obwohl er als wehrdienstuntauglich gilt. Neposedov hatte sich 2022 freiwillig zum Kriegseinsatz gemeldet, wurde bei einer Explosion schwer verletzt und leidet seither unter den Folgen. Ein gültiges medizinisches Gutachten bescheinigt seine Untauglichkeit. Doch die Behörden scheinen das zu ignorieren.

Polit-Beben in Wien: Scharfe Kritik an der Regierung

Der Fall sorgt in Österreich für helle Aufregung. Besonders die FPÖ geht mit der Bundesregierung hart ins Gericht. Generalsekretär Christian Hafenecker nennt den Vorfall einen „ungeheuerlichen Angriff auf die Pressefreiheit“ und einen Beleg dafür, „wie weit sich das Selenskyj-Regime bereits von demokratischen Grundstandards entfernt hat.“ Er fordert von Außenministerin Meinl-Reisinger und Bundespräsident Van der Bellen „volle Aufklärung und klare Kante gegenüber Kiew.“ In einer Aussendung fragt Hafenecker provokant: „Sind das die angeblichen europäischen oder westlichen Werte, die das Selenskyj-Regime laut diesen Herrschaften vermeintlich verteidigt?“

Auch der ORF-Redakteursrat reagiert alarmiert. In einer Mitteilung, aus der Der Standard zitiert, wird die „unverzügliche Freilassung“ des Kameramanns gefordert. Das Gremium betont, dass die Ukraine als EU-Beitrittskandidat verpflichtet sei, europäische Standards wie persönliche Sicherheit und Medienfreiheit einzuhalten.

Verzweifelter Kampf um Freilassung

Während die Politik debattiert, kämpft Neposedovs Lebensgefährtin vor dem Rekrutierungszentrum in Ternopil um ihren Mann. Wie sie gegenüber Heute schildert, werde niemand zu ihm vorgelassen – „keine Polizei, keine Rettung und auch keine Rechtsanwälte.“ Sie versorgt ihn mit Medikamenten gegen seine chronischen Schmerzen, die sich durch den Stress verschlimmert hätten.

Das österreichische Außenministerium hat sich eingeschaltet und die Botschaft in Kiew um Klärung ersucht. Man stehe in Kontakt mit dem Anwalt des Kameramanns. Da es sich bei Neposedov jedoch um einen ukrainischen Staatsbürger handelt, seien die Unterstützungsmöglichkeiten, so Die Presse, sehr beschränkt. Der Fall Neposedov bleibt damit ein dramatischer Appell an die Pressefreiheit und eine Zerreißprobe für die österreichisch-ukrainischen Beziehungen.

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