Drama auf hoher See: 2.853 Rinder gefangen – ein Skandal in der Türkei!

Drama auf hoher See: 2.853 Rinder gefangen – ein Skandal in der Türkei!

Bandırma, Türkei – Es ist eine Geschichte, die an Dramatik kaum zu überbieten ist: Seit über 50 Tagen treibt das Viehtransportschiff „Spiridon II“ vor der türkischen Küste – beladen mit 2.853 Rindern, die in katastrophalen Zuständen ausharren müssen. Was als Routine-Transport begann, hat sich zu einem handfesten Skandal entwickelt.

Bürokratie-Chaos: Warum die Tiere nicht an Land dürfen

Wie die Animal Welfare Foundation (AWF) berichtet, begann das Drama bereits bei der Ankunft des Schiffs am 22. Oktober im Hafen von Bandırma. Türkische Behörden verweigerten die Entladung der Tiere, da zahlreiche Ohrmarken und Chips fehlten oder nicht mit den Dokumenten übereinstimmten. Ganze 469 Tiere sollen laut den Papieren nicht korrekt registriert sein. Ein bürokratischer Albtraum, der die Tiere teuer zu stehen kommt.

„Diese Tiere sind erschöpft, dehydriert und dringend auf tierärztliche Versorgung angewiesen“, warnt Dr. Maria Boada Saña von der AWF. Doch die Behörden bleiben hart: Ohne korrekte Papiere keine Entladung.

Tote Tiere und neugeborene Kälber

Die Zustände an Bord sind erschütternd. Mindestens 48 Tiere sind bereits verendet, wie die AWF unter Berufung auf Augenzeugen berichtet. Auf Bildern sind weiße Säcke zu sehen, in denen die Kadaver gelagert werden. Doch das ist nicht alles: Während der Reise wurden 140 Kälber geboren – 90 davon sind spurlos verschwunden. Ein weiteres dunkles Kapitel in dieser Tragödie.

Ein Schiff mit düsterer Vergangenheit

Die „Spiridon II“ ist kein unbeschriebenes Blatt. Das 52 Jahre alte Schiff, ursprünglich ein russischer Frachter, wurde 2011 zu einem Viehtransporter umgebaut. Seitdem reiht sich ein Skandal an den nächsten. Laut MarineLink wurde das Schiff seit 2009 ganze neun Mal wegen schwerwiegender Mängel festgesetzt. Die Liste der Defizite reicht von Sicherheitsproblemen bis hin zu Umweltverstößen.

Das Schiff fährt unter der Flagge Togos, einem Land, das auf der schwarzen Liste der Pariser Vereinbarung für Hafenkontrollen steht. Die Betreiberfirma sitzt in Honduras, das Management in Libanon – ein undurchsichtiges Netzwerk, das Fragen aufwirft.

Proteste und Gestank: Die Geduld der Anwohner ist am Ende

Auch die Bewohner von Bandırma sind betroffen. Der Gestank des Schiffs und die Fliegenplage sorgen für Unmut. „Es ist unerträglich“, klagen Anwohner in lokalen Medien. Die Behörden reagierten mit Pestizid-Sprühaktionen, doch die Situation bleibt angespannt.

Ein globales Problem: Der Handel mit lebenden Tieren

Tierschutzorganisationen wie die AWF fordern ein Ende des internationalen Handels mit lebenden Tieren. „Solange solche Transporte erlaubt sind, werden diese Tragödien weiter passieren“, so Dr. Boada Saña. Länder wie Australien und Neuseeland haben den Export lebender Tiere bereits verboten. Doch in Südamerika boomt das Geschäft: Allein Uruguay exportierte 2025 über 265.000 Rinder, die meisten davon nach Türkei und Israel.

Hoffnung für die Tiere?

Aktuell wird diskutiert, die Tiere in die Ukraine weiterzuschicken – eine Reise, die weitere Wochen dauern könnte. Doch die Zeit drängt: Jeder weitere Tag auf See bedeutet mehr Leid für die Tiere und die Crew, die ebenfalls unter den Bedingungen leidet.

Quellen: ORF, Animal Welfare Foundation, MarineLink, Maritime Executive, Animals24-7

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x