Zehn Jahre nach der Flüchtlingswelle von 2015 zieht der burgenländische Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil (SPÖ) im Interview mit dem Kurier eine kritische Bilanz. Als damaliger Landespolizeidirektor erlebte er die Ereignisse hautnah und spricht von einer der „größten menschlichen Katastrophen“ im Burgenland. Dabei spart er nicht mit Kritik an der österreichischen und europäischen Migrationspolitik.
Rückblick auf 2015: „Eine menschliche Katastrophe“
Im Jahr 2015 erreichten täglich zwischen 5.000 und 20.000 Flüchtlinge über die ungarische Grenze das Burgenland. Doskozil, damals Landespolizeidirektor, koordinierte die Einsätze von Polizei und Militär. Ziel war es, die Krise zu bewältigen, ohne dass Menschen zu Schaden kommen. Besonders prägend war für ihn die Tragödie von Parndorf, bei der 71 Flüchtlinge in einem Kleintransporter ums Leben kamen. „Solche Katastrophen dürfen erst gar nicht passieren“, betont Doskozil.
Kritik an der Politik: „Asyl ist keine Einbahnstraße“
Doskozil kritisiert, dass weder auf EU- noch auf Bundesebene nachhaltige Lösungen gefunden wurden, um künftigen Flüchtlingswellen vorzubeugen. „Man hat der Bevölkerung einen Bären aufgebunden“, sagt er und verweist darauf, dass weder die Balkanroute noch andere Routen jemals wirklich geschlossen wurden. Auch heute sei Österreich nicht besser auf eine erneute Krise vorbereitet.
Er fordert eine vorausschauende Migrationspolitik, die Schlepperkriminalität bekämpft und klare gesetzliche Regelungen schafft. „Asyl ist keine Einbahnstraße“, so Doskozil. Im Burgenland setzt man auf Integration durch gemeinnützige Arbeit für Asylwerber, um Eskalationen zu vermeiden.
Lehren aus der Krise: „Wir haben nicht daraus gelernt“
Zehn Jahre nach der Krise sieht Doskozil wenig Fortschritt. Migration erfolge in Wellen, und die Politik feiere niedrige Aufgriffszahlen, die jedoch kein Erfolg seien. Er fordert eine konsequente Abschiebepraxis und die Einrichtung außereuropäischer Asylzentren mit schnellen Verfahren. Nur so könne die Schlepperkriminalität eingedämmt werden.
Fazit: Ein Appell für Veränderung
Doskozil sieht die Flüchtlingskrise von 2015 als Mahnung, die Herausforderungen der Migration ernst zu nehmen. Er fordert eine ehrliche Debatte über die Konsequenzen von Zuwanderung und eine Politik, die sowohl humanitäre als auch gesellschaftliche Aspekte berücksichtigt. „Wir müssen endlich handeln, bevor die nächste Welle kommt“, warnt er.
Quelle: Interview im Kurier
Credits: APA
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