Die Grünen haben es auf die prall gefüllten Rücklagen der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) abgesehen. Über 1,3 Milliarden Euro sollen laut den Berechnungen der Grünen ungebunden und frei verfügbar sein – ein Vorwurf, der die ÖVP-dominierte Kammerführung in die Defensive drängt. Doch was steckt hinter diesem Finanzdrama?
Die Grünen schlagen Alarm
Sabine Jungwirth, Bundessprecherin der Grünen Wirtschaft, erhebt schwere Vorwürfe: „Die Wirtschaftskammer ist deutlich flüssiger, als sie zugibt – und sie rechnet ihre Milliardenreserven systematisch klein.“ Laut den Grünen umfasst die Darstellung der WKÖ nur die Kammern, während die 693 Fachorganisationen, die ebenfalls über beträchtliche Mittel verfügen, außen vor gelassen werden. Immobilien und andere gebundene Mittel könnten zudem verkauft oder als Sicherheiten genutzt werden, so Jungwirth weiter.
Die Zahlen im Faktencheck
Die WKÖ selbst spricht von rund zwei Milliarden Euro Rücklagen, von denen „fast zwei Drittel“ gebunden seien. Diese Mittel seien in Form von Immobilien, Bildungseinrichtungen oder Rücklagen der Fachorganisationen angelegt. Der Rest – etwa 780 Millionen Euro – sei zweckgebunden oder als Ausgleichsrücklage vorgesehen.
Ein wachsender Schatz
Seit 2019 sind die Rücklagen der WKÖ um 18,9 Prozent gestiegen, während die Wirtschaftskraft des Landes nur um 1,95 Prozent zulegte. Für die Grünen ein klares Zeichen, dass die Systematik der Kammereinnahmen überdacht werden muss. „Es gibt keinen Grund, Milliarden zu bunkern, während viele Unternehmen kämpfen“, so Jungwirth.
Was passiert mit dem Geld?
Die Grünen fordern eine Senkung der Beiträge für Pflichtmitglieder und eine transparente Offenlegung der Kammerfinanzen. Die WKÖ hingegen argumentiert, dass die Rücklagen notwendig seien, um den Betrieb auch in Krisenzeiten aufrechtzuerhalten. Doch Kritiker werfen der Kammer vor, die Mittel für PR und andere fragwürdige Zwecke zu verwenden.
Quellen: oe24.at, orf.at, meinbezirk.at, ots.at, profil.at
Credits: APA
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