Beim wichtigsten Sicherheitsdialog Asiens ließ US-Verteidigungsminister Pete Hegseth keine Zweideutigkeit: Europa kommt besser ohne US-Subventionen aus – und sollte sich beim Militär ein Beispiel an Asien nehmen.
Was Hegseth in Singapur sagte
Wie die dpa unter Berufung auf Hegseths Rede beim Shangri-La-Dialog berichtete, kritisierte der US-Verteidigungsminister die europäischen Verbündeten in einer der schärfsten öffentlichen Formulierungen seit Trumps Amtsantritt. Asiatische Partner verfolgten traditionell einen pragmatischen Ansatz in Bündnissen, so Hegseth – „ohne Drama oder Moralisieren.“ Er fügte hinzu: „Ich denke, Westeuropa könnte sich daran ein Beispiel nehmen.“ Die Kernbotschaft war unmissverständlich: „Die Ära, in der die Vereinigten Staaten die Verteidigung wohlhabender Nationen subventionieren, ist vorbei.“ Die USA bräuchten „Partner, keine Protektorate.“ Europa habe Forderungen nach höheren Verteidigungsausgaben lange ignoriert.
Auch an die asiatischen Verbündeten selbst richtete Hegseth laut dpa klare Worte: „Wir brauchen nicht mehr Konferenzen, wir brauchen mehr Kampfkraft.“ Mit Blick auf den Veranstaltungsort fügte er hinzu: „Weniger Shangri-La, mehr Schiffe, mehr U-Boote.“
China: Warnung und Annäherung zugleich
Wie die dpa berichtete, warnte Hegseth beim selben Auftritt vor einer chinesischen Hegemonie im Indopazifik – verband dies aber mit ungewöhnlich konzilianten Tönen gegenüber Peking. Die Beziehungen zwischen USA und China seien „besser als seit vielen Jahren“, Trump strebe „stabilen Frieden, fairen Handel und respektvolle Beziehungen“ an. Das Streitthema Taiwan erwähnte Hegseth in seiner Rede laut dpa mit keinem Wort – ebenso wenig wie den Iran-Konflikt. China schickte zum Dialog in Singapur statt des Verteidigungsministers nur Militärexperten.
IISS-Studie: Taiwan-Konflikt könnte nuklear eskalieren
Den Rahmen für Hegseths Auftritt lieferte eine brisante Vorabstudie. Wie die dpa berichtete, warnte die Londoner Denkfabrik IISS – Ausrichter des Shangri-La-Dialogs – kurz vor dem Forum, ein Taiwan-Konflikt könnte für die USA die Gefahr einer nuklearen Eskalation bergen. „Selbst ein begrenzter nuklearer Schlagabtausch wäre für die Region katastrophal.“ Chinas Verteidigungsministerium bezeichnete den Bericht als realitätsfern.
Einordnung
Hegseths Rede ist kein Ausreißer – sie ist Muster. Die Trump-Regierung kommuniziert ihre außenpolitische Neuausrichtung seit Monaten in aller Deutlichkeit: Amerika zieht sich aus der Rolle des globalen Sicherheitsgaranten zurück und verlangt von seinen Verbündeten, diese Lücke selbst zu füllen.
Der Vergleich mit Asien ist dabei rhetorisch geschickt, aber nicht ganz fair: Südkorea, Japan und Australien geben schon heute zwischen 2,3 und 3,5 Prozent des BIP für Verteidigung aus. Die meisten europäischen NATO-Mitglieder lagen lange unter dem 2-Prozent-Ziel – holen aber seit 2022 massiv auf. Deutschland etwa hat sein Verteidigungsbudget seitdem nahezu verdoppelt.
Was Hegseths Botschaft langfristig bedeutet, ist die eigentliche Frage: Wenn die USA Europa nicht mehr als Schutzmacht verstehen, muss Europa diese Lücke schließen – militärisch, industriell und strategisch. Das kostet Geld, Zeit und politischen Willen. Und es verändert das transatlantische Verhältnis grundlegend – unabhängig davon, ob Trump 2028 wiedergewählt wird oder nicht.
Credits: APA
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