Eine Entschuldigung, die den Sturm nicht besänftigt: Nach seiner umstrittenen Aussage, Kinderbetreuung sei keine Arbeit, hat sich Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) zwar öffentlich entschuldigt – FPÖ-Chef Herbert Kickl reicht das jedoch nicht. Er fordert nun offen den Rücktritt des Kanzlers.
Ein Satz mit historischem Nachhall
„Es pickt. Es gibt ja Aussagen, die bleiben an ihren Urhebern picken wie Pattex“, schreibt oe24 zum aktuellen Fall und zieht dabei Parallelen zu früheren politischen Sagern: Bei SPÖ-Kanzler Fred Sinowatz war es der Satz „Ohne die Partei bin ich nichts“, bei Karl Nehammer die Empfehlung, arme Kinder sollten Burger essen. Ob Stocker mit seiner Aussage bei der Veranstaltungsreihe „Österreich im Gespräch“ am Donnerstag in Salzburg ebenfalls in diese Reihe eingeht, wird sich zeigen.
Die Entschuldigung kam schnell – aber offenbar zu spät
Nicht einmal 24 Stunden nach seiner umstrittenen Aussage zog Stocker öffentlich die Notbremse: „Ein Satz von mir sorgt gerade für Diskussionen. Zu Recht, denn er ist falsch. Bei all jenen, die sich durch meine Aussage verletzt, beleidigt oder nicht wertgeschätzt fühlen, entschuldige ich mich in aller Deutlichkeit“, erklärte der Kanzler. Ein derart offenes Eingeständnis eines Fehlers ist für einen amtierenden Regierungschef ungewöhnlich.
Kritik auch aus den eigenen Reihen
Dem Rückzieher war ein außergewöhnlicher Empörungssturm vorausgegangen. Nicht ohne Grund: Laut der Zeitverwendungserhebung von Statistik Austria übernehmen Frauen rund zwei Drittel der unbezahlten Arbeit in Österreich, Männer nur etwa ein Drittel. Der Protest blieb dabei nicht auf die Opposition beschränkt – auch aus der ÖVP selbst kam Widerspruch. Besonders bemerkenswert: Der Sager fiel ausgerechnet in Salzburg, dem politischen Terrain von Landeshauptfrau Karoline Edtstadler, die sich ebenfalls kritisch positionierte.
Kickls Vorwurf: „Völlig empathielos“
Auch die Opposition ließ keine Gelegenheit zur Kritik aus. FPÖ-Chef Herbert Kickl warf dem Bundeskanzler in einer Aussendung vor, mit seinen Aussagen Mütter zu verhöhnen: „Diese ÖVP ist völlig empathielos, familienfeindlich und Lichtjahre von der Lebensrealität der eigenen Bevölkerung entfernt“, so Kickl.
„Der immense Schaden ist angerichtet“
Auf Facebook legte der FPÖ-Chef nun nach und ließ auch Stockers nachträgliche Entschuldigung nicht gelten: „Für den Kanzler ist es zu spät, zurückzurudern – der immense Schaden ist angerichtet“, schreibt Kickl. Mit dem Satz „Kinderbetreuung ist für mich keine unbezahlte Arbeit“ habe Stocker offenbart, welchen Stellenwert die ÖVP der Betreuung von Kindern tatsächlich beimesse. Der Kanzler habe schlicht nicht verstanden, wie wichtig Kinderbetreuung sei: „Also ist er fehl am Platz – er ist mehr als nur rücktrittsreif!“, so Kickl.
Kein Einzelfall in der aktuellen Kritikwelle
Kickl ist dabei nicht der einzige politische Widersacher, der Stocker in den vergangenen Tagen wegen des Sagers unter Druck setzte. Auch aus dem eigenen Regierungslager mehrten sich zuletzt kritische Stimmen – SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil etwa forderte im Zuge der Debatte, Stocker müsse „Konsequenzen ziehen“. Ob der politische Druck anhält oder mit der Zeit wieder abebbt, dürfte sich in den kommenden Tagen zeigen.
Credits: Parlamentsdirektion, Thomas Topf
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