NEOS-Staatssekretär Sepp Schellhorn ist für Deregulierung und Einsparungen zuständig. Sein Dienstwagen ist ein Audi A8 in der Langversion. Die FPÖ wollte wissen, was dahintersteckt – und bekam eine Antwort, die mehr Fragen aufwirft als beantwortet.
Vom A6 zum A8 – weil der Platz nicht reichte
Die Geschichte beginnt im Frühjahr 2025. Kurz nach seinem Amtsantritt als Staatssekretär ließ sich Sepp Schellhorn (NEOS) seinen Dienstwagen upgraden – vom Audi A6 auf einen Audi A8 in der Langversion. Wie heute.at berichtet, begründete sein Büro den Wechsel mit dem Wunsch nach „mehr Beinfreiheit auf längeren Überlandfahrten.“ Die Bundesbeschaffungsgesellschaft (BBG) bestätigte gegenüber heute.at die Anschaffung und betonte die „Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben.“ Das Fahrzeug ist 5,32 Meter lang, hat 462 PS und kostet in der Grundversion laut derstandard.de mindestens 122.365 Euro.
Schellhorns Argument: Das Leasing für den A8 komme günstiger als das des A6. Wie heute.at aufgeschlüsselt hat, belaufen sich die monatlichen Kosten für den A8 auf zumindest 1.170 Euro – inklusive Leasing (491,95 €), Wartung, Reifenservice, Verwaltungsgebühr und Mehrwertsteuer, ohne laufende Betriebskosten. Schellhorn leistet einen monatlichen Eigenanteil, der sich laut aktueller parlamentarischer Anfragebeantwortung seit 1. Jänner 2026 auf 814,40 Euro beläuft.
180 Fahrten – aber was war privat?
FPÖ-Nationalratsabgeordneter Markus Tschank hat nun eine parlamentarische Anfrage an Außenministerin Beate Meinl-Reisinger gestellt – Schellhorns direkte Vorgesetzte im Außenministerium. Die acht Fragen drehen sich laut heute.at vor allem darum, ob der Staatssekretär den Luxuswagen auch für Fahrten zu seinen Privatunternehmen nutzte – etwa zur „Sepp Schellhorn Catering GmbH“ oder zur „Schellhorn Consultants GmbH“ in der Wiener City.
Bei diesen sieben Fragen mauert Meinl-Reisinger: Schellhorn leiste den vorgesehenen Eigenanteil, die private Nutzung von Dienstwägen sei „kein Gegenstand der Vollziehung“, so die Außenministerin laut heute.at. Etwas auskunftsfreudiger zeigt sie sich bei Frage acht: Schellhorn habe seit Anschaffung des A8 insgesamt 180 dienstliche Fahrten in Bundesländer und ins Ausland unternommen.
„Sparsamkeit“ als Begründung, um keine Details zu nennen
Mehr Details zu den einzelnen Fahrten? Fehlanzeige. Wie heute.at berichtet, lehnte Meinl-Reisinger eine detailliertere Beantwortung mit bemerkenswerter Begründung ab: Der „dafür erforderliche hohe Verwaltungsaufwand“ stehe im Widerspruch zur „gebotenen Sparsamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit jedes Verwaltungshandelns.“
Das Argument der Sparsamkeit, um Transparenz zu verweigern – bei einer Partei, die Transparenz seit Jahren als Markenkern propagiert, ist das eine bemerkenswerte Wendung.
Hintergrund: NS-Vergleich und Kritik aus den eigenen Reihen
Die Affäre hatte bereits früher für Schlagzeilen gesorgt. Als Schellhorn in einer TV-Sendung auf die Kritik an seinem Dienstwagen angesprochen wurde, verglich er die Stimmung gegen ihn mit dem Verhalten im Nationalsozialismus, wie puls24.at berichtet. Für diesen Vergleich entschuldigte er sich tags darauf. Die Grünen nahmen die Causa zum Anlass für parlamentarische Anfragen an alle Regierungsmitglieder – mit dem Argument: Die Bundesregierung habe ein Sparpaket von 1,1 Milliarden Euro angekündigt. Luxusausgaben seien dabei „nicht angemessen“, hieß es in der Begründung laut puls24.at.
Im Wiener Regierungsviertel hat Schellhorn inzwischen einen Spitznamen: „Achter-Sepp.“
Credits: APA
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