Deepfake-Vorwurf gegen Babler endet vor Gericht – Tweet gelöscht, Entschuldigung folgt – FPÖ nutzt die Gunst der Stunde

Deepfake-Vorwurf gegen Babler endet vor Gericht – Tweet gelöscht, Entschuldigung folgt – FPÖ nutzt die Gunst der Stunde

Ein virales Video, ein gelöschter Tweet und rechtliche Schritte: SPÖ-Vizekanzler Andreas Babler steht im Zentrum einer ungewöhnlichen Debatte über KI, Glaubwürdigkeit – und politisches Image-Management.

Das Video, das Fragen aufwarf

Auslöser der Affäre war ein auf Instagram veröffentlichtes Video von SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler, in dem er auf Englisch spricht – fließend, nahezu akzentfrei, mit perfekter Lippensynchronisation. Das Problem: Wer Bablers bisherige englischsprachige Auftritte kennt, staunte. Wie exxtra24.at berichtete, zeigt etwa ein Video aus Kopenhagen vom November 2025 stockendes Englisch, längere Pausen, Wortsuche – und ein markantes „Sänk you very much“ am Schluss.

Ein X-User mit dem Account-Namen „Lukas“ stellte beide Videos gegenüber und erhob den Vorwurf: Babler habe KI eingesetzt, um fließend und verständlich Englisch zu sprechen. Die Plattform „Fass ohne Boden“ griff den Vorwurf auf und präsentierte ihn als Tatsache – mit tausenden Views und reichlich Spott-Kommentaren.

SPÖ dementiert und schaltet Anwalt ein

Babler ließ den Vorwurf unmittelbar zurückweisen. Wie oe24 berichtete, erklärte die SPÖ auf Anfrage: „Das Video ist weder mit KI erstellt noch manipuliert worden. Mit einem gängigen Tool von Adobe wurde Hall entfernt – so, wie wir es bei jedem Video tun, wo es Hintergrundgeräusche gibt.“ Weder Bild noch Stimme seien mittels KI beeinflusst worden. Die SPÖ schaltete zudem einen Anwalt ein und schickte laut oe24 ein Unterlassungsschreiben an die Plattform „Fass ohne Boden“.

Tweet gelöscht – mit Entschuldigung und Begründung

Der X-User „Lukas“ löschte seinen Beitrag daraufhin. Wie oe24 berichtete, schrieb er, er habe den Tweet „in Abstimmung mit dem Anwalt der SPÖ und Herrn Andreas Babler fristgerecht gelöscht“ und entschuldige sich für die „inkorrekte Einschätzung“. Gleichzeitig erklärte er seinen ursprünglichen Eindruck: Er habe zuvor KI-Experten befragt und zwei Analysetools genutzt, die den Verdacht nahegelegt hätten. „Dies reicht jedoch nicht aus, um eine solche Behauptung öffentlich in dieser Form zu tätigen“, so der Nutzer.

FPÖ sieht politischen Skandal

Die FPÖ ließ die Chance nicht ungenutzt. Wie die FPÖ-Pressemitteilung zeigt, verlangte Nationalratsabgeordneter Wendelin Mölzer „lückenlose Aufklärung“ und kündigte eine parlamentarische Anfrage an. „Wenn ausgerechnet jener Minister, der ständig über Transparenz, Regulierung und den Kampf gegen Deepfakes spricht, selbst unter Verdacht steht, digitale Inszenierung für die eigene Selbstdarstellung zu betreiben, dann ist das ein Skandal“, so Mölzer.

Die politische Brisanz liegt tatsächlich in der Rolle Bablers als Medienminister: Wie exxtra24.at berichtete, hat er zuletzt explizit auf europäischer Ebene schärfere Regeln gegen Deepfakes gefordert und eine Medienförderreform mit Fokus auf Abgrenzung von KI-generierten Inhalten angekündigt.

Routinebearbeitung oder politische Inszenierung?

Die Faktenlage ist klar: Der Deepfake-Vorwurf wurde nicht belegt, der veröffentlichende User hat ihn selbst zurückgezogen und sich entschuldigt. Was bleibt, ist eine Debatte über die Grenzen moderner Videobearbeitung in der Politik – und die Frage, wie viel Nachbearbeitung bei öffentlichen Auftritten von Politikern noch als transparent gilt. Die SPÖ betont, Hall-Entfernung mit Adobe sei Standard. Die Kritiker sehen das Bild dennoch als zu glatt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Credits: APA

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