In der österreichischen Medienlandschaft sorgt die Beauftragung des Foresight-Instituts durch den ORF für die Sommergespräche für Kontroversen. Die FPÖ äußert starke Kritik an der Zusammenarbeit und erhebt Vorwürfe hinsichtlich der angeblichen Nähe zwischen dem Institut und der SPÖ. Der ORF betont hingegen die Qualität und Unabhängigkeit der Forschungsarbeit und verweist auf die Einhaltung journalistischer Standards.
Kritik der FPÖ: Vorwurf politischer Einflussnahme
FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker bezieht klar Stellung gegen die Praxis, das Foresight-Institut bei der Auswertung der Sommergespräche heranzuziehen. In mehreren Presse-Aussendungen spricht er von einem „handfesten Skandal“ und einer möglichen Manipulation auf Kosten der Gebührenzahler:
„Dass der ORF ein SPÖ-nahes Institut, das auf der Payroll von Vizekanzler Babler steht, die Parteichefs bewerten lässt, ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten.“
Die FPÖ verweist dabei auf die Vergangenheit des heute als Foresight bekannten Instituts, das zuvor unter dem Namen SORA unter anderem durch ein Strategiepapier für die SPÖ in die Kritik geraten war und dessen Zusammenarbeit mit dem ORF daraufhin beendet worden war. Nach der Umbenennung erhielt das Institut erneut Aufträge, zuletzt einen 60.000-Euro-Auftrag des Kulturministeriums. (fpoe.at, OTS, vienna.at)
Auch ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler, der von der FPÖ entsandt wurde, kündigt an, dieses Thema bei der nächsten Stiftungsratssitzung am 11. September auf die Tagesordnung zu setzen. (oe24.at)
Stellungnahme des ORF und des Instituts
Der ORF widerspricht den Vorwürfen und betont, dass die Auswahl des Instituts auf einem internationalen Ausschreibungsverfahren basiert. Die Redaktion entscheide unabhängig, welche Umfragen und Analysen im Programm Verwendung finden. In einer Stellungnahme erklärt der ORF, Foresight stehe für „hochwertige Sozialforschung“ und verfüge über „breite wissenschaftliche Expertise“; die inhaltliche Auswahl erfolge nach journalistischen Kriterien. (vienna.at)
Auch das Foresight-Institut wies die FPÖ-Kritik zurück und unterstrich, dass es Aufträge sowohl von SPÖ- als auch von ÖVP-geführten Ministerien ebenso wie von anderen Stellen erhält. Die strategische Beratung für Parteien wird von Foresight dementiert, und die laufenden Studien dienten verschiedenen gesellschaftlichen Fragestellungen. (vienna.at)
Wie geht es weiter?
Die Debatte um die Rolle von Foresight und dessen Zusammenarbeit mit dem ORF bleibt damit weiterhin Thema. Die Entscheidung darüber, ob und wie der ORF künftig mit Meinungsforschungsinstituten zusammenarbeitet, dürfte nach der anstehenden Stiftungsratssitzung weiter diskutiert werden. Beide Seiten, sowohl Kritiker:innen aus den politischen Parteien als auch ORF und Foresight, verteidigen ihre Standpunkte mit Nachdruck – Klarheit erhoffen sich viele von einer transparenten Klärung im Stiftungsrat.
Credits: APA
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