Chat-Leaks erschüttern SPÖ – fällt Hergovich kurz vor NÖ Parteitag?

Chat-Leaks erschüttern SPÖ – fällt Hergovich kurz vor NÖ Parteitag?

Brisante Chatprotokolle legen nahe, wie der Landesparteivorsitzende der SPÖ Niederösterreich, Sven Hergovich, kritische Medienberichte über Bundesparteichef und Vizekanzler Andreas Babler nicht nur kannte, sondern aktiv absegnete. 

Am 11. Februar 2026 erklärte Hergovich bei einer Pressekonferenz: „Ich war noch nie ein Freund von Personaldebatten und bin auch jetzt kein Freund von Personaldebatten.“ Angesichts der nun vorliegenden Chats, die den Redaktionen von „exxtra24.at“ zugespielt wurden, wirkt diese Aussage bemerkenswert. Denn zeitgleich stand Hergovich offenbar im Austausch mit einigen Journalisten und trug selbst dazu bei, genau jene Personaldebatten am Leben zu halten.

Pro-Kern-Kampagnen und wachsender Widerstand 

Bereits im Dezember 2025 berichtete „exxtra24.at“ über zunehmenden Widerstand gegen Andreas Babler im Vorfeld des Bundesparteitags am 7. März 2026. Zu den Kritikern zählten prominente SPÖ-Vertreter wie Hans Peter Doskozil, Roland Fürst und Max Lercher. „Der Widerstand gegen Babler ist da“, erklärte Fürst damals im ORF.

Im Jänner 2026 griff die „Kronen Zeitung“ diese Dynamik auf und brachte ein mögliches Comeback von Christian Kern ins Spiel. Begleitet wurde dies von Umfragen und Einschätzungen – unter anderem von Meinungsforscher Christoph Haselmayer –, die den innerparteilichen Druck weiter erhöhten. Kritische Stimmen erinnerten dabei auch an frühere innerparteiliche Konflikte rund um Pamela Rendi-Wagner.

Hergovich soll Anti-Babler-Kampagne gesteuert haben

Während einige Kritiker offen auftraten, soll Hergovich laut den vorliegenden Chats im Hintergrund agiert haben. Demnach stand er im Austausch mit Journalisten, bewertete die Performance der SPÖ unter Babler kritisch und sprach intern sogar von einem „Sektierer“ (Anmerkung der Redaktion: Wortführer einer Sekte). Aus medienrechtlichen Gründen wurden die Nachrichten nicht im Original veröffentlicht, zeichnen jedoch ein klares Bild: Kurz vor dem Parteitag wurden kritische Berichte über den eigenen Parteichef aktiv unterstützt.

SPÖ-NÖ-Funktionäre schlagen Alarm

Innerhalb der Partei nimmt die Unruhe spürbar zu. Ein einflussreicher SPÖ-Landespolitiker aus dem südlichen Niederösterreich zeichnet ein alarmierendes Bild: Intern rechne man bereits mit Verlusten bei der Landtagswahl 2028, sollte Sven Hergovich Spitzenkandidat bleiben – konkret mit einem Minus von zwei bis drei Prozent.

Auch die inhaltliche Bilanz steht in der Kritik: Seit der SPÖ-NÖ-Übernahme 2023 durch Sven Hergovich sei es nicht gelungen, einen einzigen Landtagsantrag erfolgreich durchzubringen. SPÖ-Intern bereite man sich daher bereits auf eine Fortsetzung der Regierungskoalition aus ÖVP und FPÖ nach 2028 vor.

Hergovich brüskiert Babler

Trotz der jüngsten Einigung gilt die Führungsfrage innerhalb der SPÖ Niederösterreich als offen. Mehrere Insider berichten, dass Ulrike Königsberger-Ludwig weiterhin als mögliche Nachfolgerin gehandelt wird.

Auch nach der Einigung am 15. April sollen sich zahlreiche Funktionäre direkt an sie gewandt und ihre Unterstützung angeboten haben. Gleichzeitig wächst der Druck auf Andreas Babler, klar Stellung zu den Hergovich Chat-Inhalten und den Vorwürfen rund um internes Dirty Campaigning gegen seine Person zu beziehen. Wenn Andreas Babler diese Vorwürfe gutheißt, würde er nicht nur klar als Verlierer dastehen, sondern auch seine mangelnde Führungsstärke als Vorsitzender der SPÖ offenbaren.

Hergovichs Wunschkonzert an die ÖVP 

Laut einem aktuellen Interview in den Niederösterreichische Nachrichten (NÖN) lässt Sven Hergovich nun durchblicken, dass er sich eine Koalition mit der ÖVP im Jahr 2028 durchaus vorstellen kann – ein bemerkenswerter 180-Grad-Tonwechsel. Noch 2023 hatte er betont, er würde sich „lieber die Hand abhacken“, als entsprechende Kompromisse einzugehen. Umso spannender wird sein, wie die Genossen innerhalb der SPÖ auf dieses offensichtliche Umschwenken reagieren und ob dieser Kurs intern mitgetragen wird.

Kippt der SPÖ-NÖ Landesparteitag?

Die Ablenkungsversuche von Sven Hergovich und seinem Umfeld verlieren zunehmend an Wirkung. Auch die Darstellung, es handle sich um „Fake News“ der Medien, büßt parteiintern deutlich an Glaubwürdigkeit ein – ein Muster, das bereits am Ende beim damaligen Landeshauptfrau-Stellvertreter Franz Schnabl nicht mehr aufging.

Sollten sich die Vorwürfe weiter verfestigen, droht der Partei eine massive interne Eskalation. SPÖ-Insider sprechen bereits davon, dass „Feuer am Dach“ sei.

Selbst bisher loyale Unterstützer könnten sich von Hergovich abwenden. Auch in den Bezirksorganisationen wächst der Druck – vielerorts scheint die Belastungsgrenze erreicht.

SPÖ-Sommer-Kabarett aus der ersten Reihe

„Wir beteiligen uns nicht am Sommer-Kabarettprogramm der SPÖ Niederösterreich – wir genießen es lieber aus der ersten Reihe, fußfrei, so eine niederösterreichische Landtagsabgeordnete zu exxtra24.

Eine Anfrage der Redaktion an Sven Hergovich und seine Presseabteilung blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Credits: APA

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