Chaos am Küniglberg: FPÖ-Stiftungsrat Westenthaler prescht beim ORF vor

Chaos am Küniglberg: FPÖ-Stiftungsrat Westenthaler prescht beim ORF vor

Peter Westenthaler will die Wahl des neuen ORF-Generaldirektors vorziehen, den Compliance-Bericht zur Causa Weißmann offenlegen – und stellt unbequeme Fragen zur Rolle von ORF-Manager Pius Strobl.


Der Hintergrund: Weißmann weg, Thurnher interimistisch an der Spitze

Im März 2026 erschütterte eine Personalkrise den ORF: Generaldirektor Roland Weißmann trat am 8. März mit sofortiger Wirkung zurück, nachdem eine Mitarbeiterin laut Stiftungsrat Vorwürfe sexueller Belästigung aus dem Jahr 2022 erhoben hatte. Wie der ORF selbst berichtete, bestritt Weißmann die Vorwürfe, sein Anwalt sprach von einer „überschießenden Reaktion“. Die Compliance-Prüfung bestätigte die Vorwürfe laut Der Standard später nicht. Seither führt Hörfunkdirektorin Ingrid Thurnher interimistisch die Geschäfte des Senders. Elf Kandidaten bewarben sich laut Salzburger Nachrichten für den Posten der Generaldirektion bis Ende 2026 – darunter auch Thurnher selbst.

Westenthaler will Wahl auf 11. Juni vorziehen

Nun prescht der von der FPÖ entsandte Stiftungsrat Peter Westenthaler vor. Wie oe24 berichtete, kündigte er bei einer Pressekonferenz gemeinsam mit FPÖ-Mediensprecher Christian Hafenecker an, bei der Stiftungsratssitzung am Donnerstag (23. April) einen Antrag einzubringen, die Generaldirektoren-Wahl auf den 11. Juni vorzuziehen. Ob er für Thurnher stimmen wird, ließ er offen: Er werde entscheiden, sobald er ihre konkreten Pläne gehört habe. Bisher vermisse er die „angekündigte Transparenz“ und sprach von einem „Kommunikationsdesaster“ der vergangenen Wochen.

Compliance-Bericht und die Frage rund um Pius Strobl

Westenthaler fordert laut oe24 außerdem Einsicht in den Compliance-Bericht zur Causa Weißmann – und geht dabei noch einen Schritt weiter: Er will die Rolle von ORF-Manager Pius Strobl rund um die Vorwürfe gegen den Ex-Generaldirektor untersucht haben. Schließlich sei die betreffende Frau, die die Vorwürfe erhoben hatte, eine langjährige Mitarbeiterin Strobls. Westenthaler stellte die Frage öffentlich: „Hängt es damit zusammen, dass der Herr Strobl seinen Pensionsvertrag über 2,4 Millionen Euro nicht bekam, weil das Herr Weißmann verhindern wollte?“ Hafenecker ergänzte, er sei „überzeugt, dass in der Causa Strobl noch was kommt.“

Keine Personalentscheidungen bis zur neuen Führung

Darüber hinaus verlangt Westenthaler laut oe24, dass die interimistische Führung unter Thurnher bis zum offiziellen Amtsantritt der neuen Generaldirektion Anfang 2027 keinerlei Personalentscheidungen ohne Rücksprache mit dem designierten Nachfolger sowie dem Stiftungsrat treffen darf. „Jetzt muss alles auf den Tisch, auch wenn wir zwei Tage sitzen“, so Westenthaler.

Wie Der Standard berichtete, rechnen Stiftungsräte bei der Bestellung Thurnhers diesmal nicht mit einer einstimmigen Entscheidung wie bei ihrer vorläufigen Betrauung im März. Die Wahl des ORF-Generals für die Amtsperiode 2027 bis 2031 soll laut bisherigen Plänen erst im Mai ausgeschrieben werden.

Credits: APA

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