„Österreich verletzt Kinderrechte!“ – Mit dieser schockierenden Aussage sorgte die Caritas am Montag für Aufsehen. Gemeinsam mit der Volkshilfe fordert sie eine Ausbildungspflicht für Asylwerber bis 18.
Bildung als Luxusgut?
In Österreich hätten junge Asylwerber keine Chance, ihre Träume zu verwirklichen. „Sie haben Träume und Bilder im Kopf, doch das System lässt sie im Stich“, erklärte Caritas-Generalsekretärin Anna Parr bei einer Pressekonferenz. Der Grund: Asylwerber sind von der Ausbildungspflicht bis 18 ausgenommen. Das Ergebnis? Viele brechen nach der neunten Schulstufe ab und finden nie wieder zurück ins Bildungssystem.
Österreich in der Kritik
Ein von der Caritas in Auftrag gegebenes Gutachten der Asyl- und Kinderrechtsexpertin Lioba Kasper kommt zu einem vernichtenden Urteil: Österreich erfüllt weder die Bundesverfassung noch die UNO-Kinderrechtskonvention oder die EU-Aufnahmerichtlinie. „Es wäre so einfach, das zu ändern“, betonte Parr. Doch die Politik schweigt. Schulen entscheiden willkürlich über die Aufnahme von Asylwerbern, und für eine Lehre braucht es eine AMS-Bewilligung. Rund 10.000 Menschen sind betroffen.
Bildung statt Arbeitslosigkeit
Die Migrationsforscherin Judith Kohlenberger von der Wirtschaftsuniversität Wien hat die wirtschaftlichen Folgen untersucht. Ihr Fazit: Eine bessere Bildungsbeteiligung könnte die Erwerbsquote junger Geflüchteter um 15 Prozent steigern. Das würde dem Staat 53 Millionen Euro pro Jahr sparen. Doch stattdessen landen viele in prekären Jobs, anstatt Spracherwerb und Ausbildung zu priorisieren.
„Wettbewerb der Ablehnung“
Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger warnt vor einer gefährlichen Entwicklung: „Junge Schutzberechtigte werden oft als Feindbilder gesehen.“ Dabei sei Integration ein Prozess, der den Willen beider Seiten erfordere. Die Volkshilfe fordert praxisnahe Sprachkurse, die mit Arbeit und Bildung vereinbar sind.
Quellen: ORF, Caritas, Volkshilfe, Wirtschaftsuniversität Wien
Credits: APA
Neueste Kommentare