Hamburg ist in Alarmbereitschaft. Während der russische Machthaber Wladimir Putin die NATO weiterhin mit Drohnen und Kampfjets provoziert, probt die Bundeswehr den Ernstfall. 500 Soldaten trainieren diese Woche die reibungslose Verlegung von Personal und Material an die NATO-Ostflanke – und das mitten in Deutschlands zweitgrößter Stadt, wie Bild berichtet.
Die Übung mit dem Namen „Red Storm Bravo“ soll nicht nur die Abläufe zwischen Militär, Polizei und ziviler Wirtschaft testen, sondern auch die Realität der Landesverteidigung ins öffentliche Bewusstsein rücken. Anwohner müssen mit Straßensperrungen, Militärkonvois in der Stadt und nächtlichem Lärm von Hubschrauberrotoren rechnen.
Was ist „Red Storm Bravo“?
Die Übung, die von Donnerstag bis Samstag dauert, basiert auf dem streng geheimen „Operationsplan“ für Deutschland aus dem Jahr 2024. Aufgrund seiner zentralen Lage in Europa ist Deutschland ein entscheidendes Drehkreuz für Truppenbewegungen.
„Sollte Russland beabsichtigen, die NATO zu testen, wird Deutschland zur Drehscheibe für die Verlegung von Truppen und Material an die Ostflanke des Bündnisgebietes“, erklärte Kapitän zur See Kurt Leonards, Kommandeur des Landeskommandos Hamburg.
Das Szenario für „Red Storm Bravo“ ist klar: Truppen samt Ausrüstung und Waffensystemen kommen in Hamburg, Deutschlands größtem Seehafen, an und müssen über Straße und Schiene nach Osten transportiert werden. Dies erfordert einen massiven Koordinationsaufwand zwischen militärischen und zivilen Stellen, einschließlich Polizei, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW) und sogar privaten Unternehmen wie Airbus und dem Hafenlogistiker HHLA. Laut Bundeswehr finden die meisten Übungen nachts statt, wobei von Hubschraubern begleitete Konvois vom Hafen durch die Stadt fahren.
Vorbereitung auf das Undenkbare: 1.000 Verwundete pro Tag
Die Übungen gehen über die Logistik hinaus und befassen sich mit der düsteren Realität der medizinischen Versorgung während eines Konflikts. Die Bundeswehr bereitet sich auch auf die immense Herausforderung vor, verwundete Soldaten im Falle eines echten Krieges zu behandeln.
„Tausend am Tag ist eine realistische Größenordnung, über die wir reden“, sagte Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. In diesem Szenario würden die Verwundeten nach einer Erstversorgung an der Front zur weiteren Behandlung nach Deutschland gebracht, vor allem in zivile Krankenhäuser.
Um diesen Bedarf zu decken, so Dr. Hoffmann, benötige die Bundeswehr etwa 15.000 Krankenhausbetten. Dies ist nur ein Bruchteil der Gesamtkapazität von bis zu 440.000 Betten in Deutschland. Das Militär arbeitet auch daran, seine Kapazitäten für den Transport der erwarteten großen Zahl von Verletzten wieder aufzubauen. Die Übung unterstreicht die entscheidende Rolle der deutschen Häfen, die Florian Keisinger, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS), als „erste Angriffslinie für Verteidigung und Versorgung in einer Krise“ bezeichnet.
Credits: APA
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