US-Vizepräsident JD Vance beschuldigte die EU der Wahleinmischung in Ungarn — und bekam aus Berlin prompt eine unerwartete Antwort.
Vance in Budapest: Angriff auf Brüssel, Rückendeckung für Orbán
Fünf Tage vor der ungarischen Parlamentswahl reiste Vance nach Budapest und stellte sich demonstrativ an die Seite von Ministerpräsident Viktor Orbán. Die Vorgänge im ungarischen Wahlkampf seien, wie er erklärte, eines der schlimmsten Beispiele ausländischer Wahleinmischung, die er je gesehen habe. Die „Bürokraten in Brüssel“ hätten alles getan, um Orbán zu schaden. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz lobte er den ungarischen Regierungschef als Vorbild für Europa — und rief von der Bühne aus US-Präsident Donald Trump an, der vor jubelnden Fidesz-Anhängern erklärte: „Ich liebe Ungarn, und ich liebe Viktor.“
Berlin schlägt zurück — und zeigt auf Washington
Die Antwort der deutschen Bundesregierung ließ nicht lange auf sich warten. Wie Politico berichtet, erklärte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille am Mittwoch in Berlin: „Wir weisen die Anschuldigung des US-Vizepräsidenten Vance bei einer Veranstaltung in Ungarn zurück.“ Und dann der entscheidende Konter: „Ich möchte darauf hinweisen — da Vance sich über eine angebliche Einmischung der EU in die Wahl beschwert —, dass der US-Vizepräsident nur wenige Tage vor der Wahl in Ungarn war. Allein dieser Umstand spricht für sich, wer hier tatsächlich eingreift.“
Bundeskanzler Friedrich Merz habe keinerlei Präferenz hinsichtlich des Wahlausgangs und werde akzeptieren, wie die ungarischen Wähler entscheiden, ergänzte Hille.
Orbán unter mehrfachem Druck
Die Verteidigung Orbáns durch Vance fällt in einen außerordentlich turbulenten Endspurt des ungarischen Wahlkampfs. Wie die Washington Post und in der Folge Euronews berichteten, soll Außenminister Péter Szijjártó jahrelang in den Pausen von EU-Treffen seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow angerufen und ihm sensible interne Beratungen der EU übermittelt haben. Polens Ministerpräsident Donald Tusk erklärte dazu auf X, wie t-online berichtet, dieser Verdacht habe ihn schon seit langem begleitet — und sei der Grund, warum er auf EU-Gipfeln stets nur das absolut Notwendige sage.
Zusätzlich wurde laut t-online bekannt, dass Orbán im Oktober 2025 in einem Telefonat Putin seine Hilfe angeboten hatte, „egal, worum es geht“ — ein geleaktes Gesprächsprotokoll, das Bloomberg vorlag.
Umfragen sehen Tisza deutlich vorn
Ob die US-amerikanische Rückendeckung Orbán noch helfen kann, bleibt fraglich. Wie t-online unter Verweis auf das Meinungsforschungsinstitut Médian berichtet, liegt die Oppositionspartei Tisza von Herausforderer Péter Magyar kurz vor der Wahl am 12. April deutlich vor Orbáns Fidesz — teils mit mehr als zehn Prozentpunkten Vorsprung. Magyar selbst hatte vor dem Vance-Besuch auf ausländische Einmischung hingewiesen und geschrieben: „Dies ist unser Land.“
Credits: APA
Neueste Kommentare