Mit einer deutlichen Kampfansage an die eigene Parteilinie sorgt NEOS-Gründer Matthias Strolz für Aufsehen: Im Interview mit oe24.TV spricht er sich klar für eine Zusammenarbeit mit der FPÖ aus – und widerspricht damit direkt der aktuellen Parteichefin Beate Meinl-Reisinger.
Ein neues Buch über das „Ganzwerden“
Anlass des Gesprächs war Strolz‘ neues Buch „Homo Universus“. Zum Titel erklärte er: „Ich habe einen Titel gesucht, der es einfach beschreibt. Es geht um ein Ganzwerden als Mensch. Und Homo Universus heißt übersetzt, der in die Ganzheit gewendete Mensch. Warum wähle ich diesen Titel? Weil ich das Gefühl habe, wir sind nicht ganz.“ Auch das Thema Künstliche Intelligenz nimmt in dem Buch breiten Raum ein. Strolz sieht darin sowohl Chancen als auch erhebliche Risiken: „Sie ist jedenfalls aus der Flasche. Und wir bekommen sie nicht mehr zurück. Ich sehe sie als beides. Es ist vergleichbar in ihrem Potenzial – im Guten wie im Schlechten – mit der Atomkraft.“
Respekt für die eigene Nachfolge-Regierung
Zur bisherigen Performance seiner ehemaligen Partei in der Bundesregierung äußerte sich Strolz grundsätzlich anerkennend: „Ich habe großen Respekt davor, was gelungen ist mit diesem Regierungseintritt. Und es ist nicht einfach – das sehen wir alle.“
Klares Bekenntnis zur Zusammenarbeit mit der FPÖ
Der eigentliche Paukenschlag des Gesprächs folgte bei der Frage nach den aktuellen Umfragewerten der FPÖ, die unter Herbert Kickl bei fast 40 Prozent liegt. Strolz reagierte mit einer deutlichen Abrechnung mit dem gängigen Ausgrenzungskurs gegenüber den Freiheitlichen: „Man muss daraus seine Schlüsse ziehen. Und ich bin auch sehr dafür, dass wir in eine andere Logik kommen mit der FPÖ. Diese Idee, da eine Brandmauer einzuziehen, und da drüben sind die Schmutzfinken, da sind die Guten. Das ist Bullshit.“ Auf die direkte Nachfrage, ob das eine Zusammenarbeit mit der FPÖ bedeute, antwortete er knapp: „Natürlich.“
Ein Widerspruch zur aktuellen NEOS-Linie
Strolz‘ Position steht damit im deutlichen Gegensatz zur offiziellen Haltung seiner Nachfolgerin an der Parteispitze. Meinl-Reisinger hatte zuletzt im oe24-„Sommergespräch“ unmissverständlich klargestellt, sie werde einer möglichen Kanzlerschaft Kickls nicht zum Durchbruch verhelfen: „Wenn er eine Mehrheit findet, die ihn zum Kanzler macht, wir werden es nicht sein.“ Bereits im TV-Duell vor der Nationalratswahl 2024 hatte sie Kickl direkt entgegengehalten: „Ich will Sie nicht als Kanzler, Vizekanzler, Minister.“
Ein Muster wiederholter Kritik
Der aktuelle Vorstoß reiht sich in eine Serie zunehmend kritischer öffentlicher Wortmeldungen des Parteigründers ein. Bereits zuvor hatte Strolz seiner ehemaligen Partei vorgeworfen, ihre Ideale „an manchen Ecken“ verraten zu haben, und ÖVP sowie SPÖ eine „Sterbebegleitung auf hohem Niveau“ attestiert – mit der Warnung, die NEOS könnten dabei „selbst auch zu Tode kommen“.
Credits: Nicola Montfort – buchwien.at, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=133975731
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