Gemeinsam mit foodora eröffnet Billa den ersten Delivery Store des Landes. Die Ansage von Rewe-Chef Haraszti ist dabei fast so bemerkenswert wie das Konzept selbst.
Ein Supermarkt, der keine Kunden mehr empfängt
In der Diefenbachgasse 52 im 15. Wiener Gemeindebezirk hat Billa eine Filiale eröffnet, die von außen wie jede andere aussieht — von innen aber eine andere Logik verfolgt. Keine Kasse, keine Warteschlange, kein Kundenkontakt. Dafür Vollbetrieb bis 22 Uhr. Wie Heute.at berichtet, handelt es sich um Österreichs ersten gemeinsamen Delivery Store von Billa und foodora: Das Lager läuft, während foodora-Mitarbeiter die Bestellungen zusammenstellen und zustellen.
Das Modell ist eine Weiterentwicklung der seit 2024 bestehenden Kooperation der beiden Unternehmen. Billa stellt Sortiment und Infrastruktur, foodora übernimmt Kommissionierung, Technologie und die Zustellung — innerhalb von 60 Minuten, Montag bis Samstag.
Haraszti greift das Ladenöffnungsgesetz an
Rewe-Chef Marcel Haraszti hat die Erweiterung selbst auf LinkedIn angekündigt — und dabei einen deutlichen Seitenhieb mitgeliefert: Man erweitere die Öffnungszeiten „trotz antiquiertem österreichischen Nostalgiegesetz“, schrieb er. Gemeint ist das Ladenschlussgesetz, das stationären Handel im Regelfall auf 21 Uhr begrenzt. Mit dem Delivery-Store-Modell umgeht Billa diese Schranke legal — denn Lieferdienste fallen nicht unter dieselben Regelungen.
Was das Angebot konkret bringt
Wie die Rewe Group in einer offiziellen Pressemeldung mitteilt, umfasst das Sortiment mehr als 6.000 Produkte — von frischen Backwaren bis zu Haushaltsartikeln, alles zu regulären Billa-Marktpreisen. Die Liefergebühr beträgt laut weekend.at regulär 3,49 Euro, für Abo-Kunden deutlich weniger. Bestellt wird ausschließlich über die foodora-App.
Nicht das gesamte Stadtgebiet ist dabei erreichbar: Wie die Salzburger Nachrichten berichten, können der 21. und 22. Bezirk vorerst nicht beliefert werden, weil die 60-Minuten-Grenze dort nicht einzuhalten ist. Elf Bezirke werden vollständig abgedeckt, weitere teilweise.
Die Daten sprechen für sich
Erste Zahlen aus dem Testbetrieb im März zeigen, wohin der Bedarf geht. Wie VOL.at berichtet, entfiel rund ein Drittel aller Bestellungen auf das Zeitfenster zwischen 16 und 19 Uhr, weitere 27 Prozent auf den Abend zwischen 19 und 22 Uhr — also genau jene Stunden, in denen stationäre Märkte vielfach bereits geschlossen haben. Spitzenreiter bei den bestellten Produkten: Bio-Bananen, Kaisersemmeln und Getränke.
Das Modell soll laut Heute.at keine Einmallösung bleiben — es ist als Grundlage für weitere Standorte geplant, auch außerhalb Wiens.
Comeback nach dem Rückzug
Pikantes Detail am Rande: Erst Ende Januar 2026 hatte Billa seinen klassischen Hauszustellungsservice nach zehn Jahren eingestellt. Wie weekend.at berichtet, war vor allem die teure letzte Meile nicht mehr rentabel. Jetzt ist die Hauszustellung zurück — aber mit einem schlankerem Modell, das die Logistik an foodora auslagert. Das soll genau das Problem lösen, an dem der alte Service gescheitert ist.
Credits: Von Gryffindor – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15786863
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